Gewitzte Piraten
Mit Zack & Wiki: Der Schatz von Barbaros bringt Capcom einen interessanten Titel für die Wii auf den Markt. Denn statt in typischer Action-Adventure-Manier auf die Suche nach einem Piratenschatz zu gehen, rätselt ihr euch wie bei einem Point&Click-Adventure durch die Levels. Kann das Spiel der PC-Konkurrenz das Wasser reichen?
Mit Licht und Eis stellen wir uns einen Schlüssel her.
Zack ist ein Pirat, der – wie wohl jeder Pirat – auf der Suche nach einem großen Schatz ist. Sein stetiger Begleiter ist der kleine Goldaffe Wiki, den ihr zwar nicht selbst steuern dürft, dafür jedoch für einige Rätsel benötigt. Über ein paar Umwege findet der Pirat schließlich eine Schatztruhe, doch statt dem erwartetet Schatz liegt dort nur der Schädel des alten Meisterpiraten Barbaros drin. Dieser schlägt Zack einen Deal vor. In der Folge müsst ihr in über zwanzig Missionen die einzelnen Skelettteile von Barbaros finden und zusammensetzen, bevor Zack ein neues Piratenschiff erhält.
Vorsicht: sobald uns der Feind entdeckt, ist die Mission vorbei.
Was reden die?Die Story ist recht liebevoll, was vor allem den sympathischen Charakteren geschuldet ist. Wirklich spannend wird die Schatzjagd aber nicht, da eine richtig zusammenhängende Geschichte fehlt, wie wir es bei PC-Abenteuerspielen kennen. Die Levels wirken eher wahllos aneinandergereiht, so dass Zack & Wiki schon fast eher ein Knobelspiel als ein Adventure ist. Schade ist bei der Präsentation vor allem, dass Capcom wie schon bei Okami auf eine Sprachausgabe verzichtet hat. Stattdessen bekommt ihr lediglich unverständliches Geplapper zu hören, das jede Atmosphäre im Keim erstickt.
In der Vulkanwelt steuern wir einen Golem.
Als Wii-Spiel macht Zack & Wiki natürlich ordentlich Gebrauch von der Bewegungserkennung der Konsole. Wir würden sogar soweit gehen, dass der Titel ohne Steuerung mit Remote und Nunchuk nur halb soviel Spaß machen würde. Viele Aktionen, die ihr durchführen müsst, gelingen nämlich nur, wenn ihr mit der Remote realistische Bewegungen nachahmt. Um beispielsweise mit einem Besen ein altes Bild sauber zu wischen, müsst ihr mehrmals mit dem Besen über das Gemälde wedeln. Schalter oder Hebel betätigt ihr ebenfalls mit Handeinsatz oder sägt mit einer Säge stilecht einen Baum ab. Bis auf kleinere Probleme bei der Bewegungserkennung, die manchmal etwas ungenau arbeitet, macht das Herumprobieren von Bewegungen viel Spaß.
Gewusst wieDie Rätsel in den einzelnen Levels sind dann auch klar auf die Steuerung ausgerichtet. Da müsst ihr Gegner mit einer Glocke in Gegenstände verwandeln, Tränke mixen, in einem Spiegelkabinett die Spielgel so ausrichten, dass ein Lichtstrahl einen Eisdrachen röstet oder mit der Remote Flöte spielen. Auch wenn einige Manöver in fast jedem Abschnitt vorkommen, bietet das Spiel genügend Abwechslung. Jede Mission hat nämlich ein anderes Grundsetting, das äußerst liebevoll entworfen wurde.
Zack vergiftet die Suppe, damit die Eingeborenen einschlafen.
Auch wenn die Levels meist recht übersichtlich sind und nur aus wenigen Räumen bestehen, ist der Schwierigkeitsgrad von Zack & Wiki nicht ohne. Viele Rätsel erfordern von euch schon einiges an Kopfarbeit, wobei die Knobeleien im Rahmen der Spielwelt aber meist logisch bleiben. Dennoch kommt man nicht so ohne Weiteres darauf, wie drei Schalter richtig zu stellen sind oder welche Zutat man für einen Unsichtbarkeitstrank benötigt. Wer mal gar nicht weiterkommt, kann sich im Spiel in Form des Orakels Hilfe holen, das kostet euch allerdings ordentlich Geld, von dem ihr nur wenig besitzt. Besser ist das gesammelte Vermögen in Platintickets angelegt. Diese sind quasi ein gekauftes Quicksave. Denn Speichern dürft ihr während der Missionen leider nicht. Macht ihr einen Fehler oder tappt in eine der vielen Fallen und erblickt den Game Over-Bildschirm, müsst ihr entweder den Einsatz von vorne beginnen oder eben ein Platinticket einlösen.
Die Haltung der Remote wird stets angezeigt.
Frustration durch fehlende SpeicherpunkteUns konnte dieses Speichersystem leider gar nicht überzeugen. Während die Platintickets nach jedem Benutzen etwas teurer werden, findet ihr die aufsammelbaren Münzen im weiteren Spielverlauf immer seltener. Das Haushalten mit den wertvollen Speicher-Tickets ist also derart wichtig, dass ihr Einsätze häufig lieber komplett von vorne beginnen solltet, als euch das lieb ist. Über das Wiederholen von bereits gespielten Levelbereichen mag man geteilter Ansicht sein, doch gerade bei einem Adventure, das allein durch die Lösung der Rätsel und nicht durch irgendwelche Actioneinlagen motiviert, sackt der Spielspaß beim zweiten oder dritten Versuch bereits gelöste Rätsel nochmals abzuarbeiten doch erheblich ab. Leider haben die Entwickler auch nicht genügend Hinweise auf die Fallen oder Sackgassen im Spiel eingebaut, vieles verkommt daher zu Trial & Error.
Der Kampf gegen den Eisdrachen ist eine der schwächeren Missionen.
Spaß trotz Frust?Trotz dieses Ärgernisses, konnten wir uns aber nur schwer vom Spiel lösen. Die Rätsel wurden wirklich geschickt in die Spielumgebung integriert und die Neugier auf das nächste Level, fesselt den Spieler förmlich an Wiimote und Nunchuk. Die Spielzeit liegt bei etwas über zehn Stunden, wer ganz ohne Lösungshilfen auskommen möchte, wird sicherlich länger benötigen. Das geht absolut in Ordnung, auch wenn ein Teil der Zeit dem unglücklichen Speichersystem geschuldet ist. Der Wiederspielwert dürfte freilich wie bei jedem Adventure gering sein, auch wenn es für jeden Level einen Highscore zu knacken gibt.
Mag der Sound aufgrund der fehlenden Sprachausgabe eher enttäuschen, konnte uns die Grafik dagegen schon eher überzeugen. Für ein Wii-Spiel bekommt ihr bunte und abwechslungsreiche Locations präsentiert, die allesamt einen liebevollen Stil und unverwechselbaren Charme besitzen. Da stört es auch nicht, dass der Detailgrad insgesamt nicht so hoch ist. Einen Mehrspielermodus besitzt der Titel leider nicht. Da Wiki eher eine Nebenrolle spielt, wäre eine Verteilung der Charaktere auf zwei Spieler auch nicht sehr sinnvoll gewesen.
78%
Bunt, charmant und ein liebevoller Stil - die Optik von Zack & Wiki reißt vor allem als großes Ganzes viel heraus, wenn auch der Detailgrad höher und die Animationen runder sein könnten.
55%
Der Soundtrack ist ganz okay und die Effekte ebenfalls, auch wenn sich diese zu oft wiederholen. Wirklich nervend ist das Geplapper der Helden in einer unverständlichen Sprache. Auch ein Wii-Spiel im Jahr 2008 dürfte wenigstens englische Sprachausgabe haben.
80%
Mit Zack & Wiki rätselt ihr euch durch über zwanzig Levels und sucht jedes Mal eine Schatztruhe. Der Weg dorthin ist aber oft lang und nur mit Tricks zu bewältigen. Die Rätsel wurden allesamt toll in die Umgebung eingebaut, auf Dauer wiederholen sich einige Abläufe aber recht oft.
70%
Das schwache Speichersystem in Verbindung mit den teuren Tickets zur Wiederbelebung kostet viel Motivation, zumal es zu viele Trial & Error-Passagen gibt, die beim ersten Versuch kaum jemand sofort richtig machen dürfte. Dafür befriedigt einen die erfolgreiche Lösung einer Mission aber dann umso mehr.
pro
sympathische Charakteretolle Rätselintelligente Bewegungssteuerungabwechslungsreiche Locationsjeder Level bietet etwas Besonderesordentliche Spielzeitbunte, ansprechende Grafik
contra
veraltetes SpeichersystemPlatintickets zu teuer bzw. Geld zu knapp bemessenlangweiliges erneutes Durchspielen ganzer Einsätzekeine richtige Sprachausgabekeine zusammenhängende, spannende StoryStellenweise Ungenauigkeit bei der Steuerungeinige zeitkritische Rätsel
80%
Es gibt kaum etwas Langweiligeres, als eigentlich bereits gelöste Abschnitte in einem Adventure nochmals spielen zu müssen. Doch gerade dies zwingt mir Zack & Wiki: Der Schatz von Barbaros regelmäßig auf, da die Entwickler auf ein komfortables Speichersystem verzichtet haben und es ein Quicksave nur gegen Bezahlung gibt. Bei einem Abenteuerspiel, in dem man nicht sterben kann, wäre das in Ordnung, doch Capcoms Titel fährt viele Trial & Error-Passagen auf. Es sollte sich auch bis Japan herumgesprochen haben, dass ein fehlendes Speichersystem in Verbindung mit einem Game Over-Schirm für unnötige Frustmomente sorgt. Davon abgesehen macht Zack & Wiki bis auf die fehlende Sprachausgabe aber vieles richtig. Ich hatte beim Durchspielen jedenfalls viel Spaß. Einige Rätsel sind derart intelligent, dass sich selbst PC-Adventures hier eine Scheibe abschneiden können.
Kommentare zu Zack & Wiki: Der Schatz von Barbaros