Jurassic Park trifft Rambo!
In der Filmindustrie vertraut man schon lange auf Fortsetzungen erfolgreicher Filme, man denke nur an den sechsten Teil der Rocky-Saga oder den neusten Rambo Ableger. Auch in der Spielindustrie wird immer mehr auf große Namen gesetzt. In diesem Fall hat sich Propaganda Games an einen Titel erinnert, der 1996 auf dem Nintendo 64 große Erfolge feierte: "Turok"!
Auf die weniger erfolgreichen Nachfolger soll hier nicht weiter eingegangen werden und auch mit dem ersten Teil hat die Neuauflage für PS3 und XBox 360, abgesehen von der Hauptfigur und den Dinosauriern, wenig gemeinsam. Die Story ist schnell erzählt: Als John Turok, seinerseits Indianer, ehemaliger Sträfling und Soldat, soll der Spieler seine einstigen Kollegen vom Söldnertrupp "Wolfsrudel" zur Strecke bringen. Natürlich stürzt das Raumschiff ab und Turok muss sich Stück für Stück durch den Planeten schlagen, auf dem es vor hungrigen Dinosauriern nur so wimmelt. Wo wir anfänglich schon auf die Filmthematik eingegangen sind: Ein bisschen Jurassic Park, ein bisschen Rambo und eine Spur Alien. Turok hat keine Probleme damit, sich großzügig bei bekannten Filmen zu bedienen.
Beeindruckender T-Rex, lästige RaptorenDas Besondere an Turok sind ohne Frage die Dinosaurier, die auch allesamt gut animiert sind und insbesondere die größeren, wie der T-Rex, wirken auch sehr bedrohlich. Raptoren und ihre kleinen, meist nervenden Verwandten haben die Eigenschaft, aus dem Nichts aufzutauchen und in zwei oder drei Wellen anzugreifen. War die erste Welle noch spannend, so wird man spätestens bei dem dritten Angriff das Gefühl nicht los, die Entwickler wollten das Spiel in die Länge ziehen. Ein Gefühl, das sich noch verstärkt, wenn man sich die Speicherpunkte anschaut. In einfachen Passagen, ohne viele Kämpfe kommt alle fünf Minuten ein Speicherpunkt, während es ausgerechnet an kniffligen Stellen so scheint, als habe man schlichtweg einen Speicherpunkt entfernt. Hierdurch mag das Spiel zwar länger andauern, dem Spielspaß weicht aber der Frust, wenn man zum X-ten Mal beim vorletzten Gegner ins Gras beißt.
Hektische AbwehrversucheNicht selten wird Turok von einem Dino umgeworfen und der Spieler muss möglichst schnell den richtigen Knopf am Pad drücken, um die Riesenechse mit seinem Messer zu durchlöchern und nicht beim letzten Speicherpunkt neu beginnen zu müssen. Neben den Dinosauriern gibt es leider auch menschliche Standardgegner. Auch hier stören die Speicherpunkte - hinzu kommt aber, dass es einfach weniger Spaß macht gegen scheinbar unendlich viele menschliche Gegner zu spielen, als gegen einen ausgewachsenen T-Rex. Das liegt zum Teil auch daran, dass sich die KI Gegner recht unrealistisch verhalten. Ganz gleich wie unauffällig ihr euch an ein gegnerisches Lager heranschleicht – die Kontrahenten bemerken eure Anwesenheit sofort.
Mensch gegen DinoGlücklicherweise greifen die Echsen gelegentlich auch die menschlichen Gegner an und es macht ungeheuer Spaß, aus sicherer Entfernung den Kampf beider Spezies zu beobachten. Sind alle menschlichen Gegner erledigt, dürft ihr deren Munition einsammeln. Ein wenig einfallslos wirkt der Aufbau der streng linearen Areale. So habt ihr manchmal das Gefühl, in einem als Dschungel getarnten Schlauch unterwegs zu sein, der euch stets in eine vorgegebene Richtung laufen lässt. Die Weitläufigkeit eines echten Dschungels, lässt das Spiel meistens vermissen.
Wozu Schusswaffen, wenn man ein Messer hat?Das Arsenal der Schusswaffen reicht von einer Pistole, über MG und Schrotgewehr bis zur Impulskanone. Dabei finden jedoch immer nur zwei verschiedene Waffen bei Turok Platz, die jedoch auch beidhändig getragen werden dürfen. Wesentlich interessanter sind jedoch Messer und Bogen, für die Turok zum Glück immer Platz hat. Das Messer dürfte wohl auch die meist genutzte Waffe im Spiel sein, da es im Nahkampf nur einen Treffer benötigt, um seinen Widersacher niederzustrecken. Menschliche Kontrahenten verlieren übrigens weder im Nahkampf, noch unter Beschuss Blut. Dabei handelt es sich nicht etwa um eine Zensur, da dies auch für Importversionen gilt. Den Echsen dürft ihr dagegen mit eurem Messer sogar die Kehle aufschneiden und ihnen den roten Lebenssaft gleich literweise entlocken. Der Bogen hingegen bietet sich für weiter entfernte Gegner an und hat, entsprechend genaues Zielen vorausgesetzt, ebenfalls eine durchschlagende Wirkung. Das Zielen gestaltet sich übrigens als nicht allzu einfach, da es keinerlei Zielhilfe gibt und die KI zusammen mit der großen Menge an Feinden für einen ziemlich hohen Schwierigkeitsgrad sorgt. Wurde man getroffen, hilft es sich in Deckung zu begeben und ein paar Sekunden zu warten, bis sich die warnend rötlich eingefärbte Sicht wieder normalisiert und sich der Gesundheitszustand verbessert hat. Richtig, es wurde nicht nur bei Filmen geklaut: Das Gesundheitssystem ist nahezu 1:1 aus Call of Duty 4 beziehungsweise aus Halo 3 übernommen.
16 Spieler und ein Rudel DinosaurierDer Story Modus dürfte den Durchschnittsspieler etwa zehn Stunden lang unterhalten und dann wäre da natürlich noch der Multiplayer Part. Der wartet mit sieben Karten, maximal 16 Spielern und den Modi Deathmatch, Team-Deathmatch und Capture the Flag auf. Als Besonderheit darf während der Multiplayer Gefechte eine Horde Dinos losgelassen werden, die Alles und Jeden angreifen und keinerlei Unterschiede zwischen den verschiedenen Teams machen. Daneben gibt es noch einen Koop-Modus für bis zu vier Spieler, der auf drei Karten spielt, die im Story Modus nicht zu finden sind.
72%
Die gut animierten und teilweise sehr großen Saurier, sind eine wahre Augenweide. Leider können die Charaktere und die sehr linearen Levels nicht mithalten.
81%
Tolle Musik, die sich dem Spielgeschehen anpasst. Je nach Anlage können sich auch die Nachbarn erschrecken, wenn ein T-Rex erscheint. Die deutsche Synchronisation ist gelungen.
70%
Die KI ist recht fordernd. Der Kampf gegen die Echsen macht im Gegensatz zu den menschlichen Gegnern viel Spaß. Durch die schiere Masse der Gegner gibt es teilweise unfaire Stellen. Die Speicherpunkte scheinen willkürlich gesetzt und führen immer wieder zu Frust.
66%
Messer und Bogen gibt es gleich zu Anfang des Spiels. Die restlichen Waffen können nicht begeistern. Bei einigen schlechtgesetzten Speicherpunkten ist es nur die halbwegs interessante Story, die einem zum Weiterspielen veranlasst.
74%
Der Koop-Modus ist gelungen, leider gibt es nur drei Karten. Die anderen Modi sind eher durchschnittlich.
pro
Sehenswerte und fordernde DinosaurierNahkampf-Modus Koop-Modus+ Sound
contra
Speicherpunkte sorgen für FrustEintönige, menschliche GegnerFehlende Abwechslung- Lineare Levels
70%
Turok ist wie die Fortsetzung eines erfolgreichen Hollywood Films: Kann man sich angucken, muss man aber nicht. Dass dem Kampf gegen die Dinos die größte Aufmerksamkeit bei der Entwicklung gewidmet wurde, ist dem Spiel deutlich anzumerken. Und dieser Teil macht auch wirklich Spaß. Leider nimmt der Kampf gegen menschliche Gegner jedoch bestimmt 50% des Spiels ein und hierbei ist Turok mittelmäßig, sowohl grafisch, als auch spielerisch. Nicht mittelmäßig sind jedoch die Speicherpunkte: Die sind einfach nur schlecht. Für Spieler, die eine hohe Frustgrenze haben und Jurassic Park zu ihren Lieblingsfilmen zählen, können wir eine Kaufempfehlung aussprechen. Alle anderen sollten die Anschaffung nochmals überdenken, schließlich kostet ein XBox Spiel mehr als eine Kinokarte.
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