Sins of a Solar Empire

Es gibt keine positiven Überraschungen mehr im Spieledschungel? Weit gefehlt!

Wann wurdet ihr zuletzt von einem Spiel so richtig positiv überrascht? Nein, wir sprechen jetzt nicht von den allgemeinen Hype-Titeln, wir reden von den eher unscheinbaren Games, denen kein Millionenbudget zuteil wurde. Ganz ehrlich bitte!

Nun, ich müsste mich schon arg täuschen, wenn ihr dafür nicht sehr weit in die Vergangenheit reisen müsstet. In Zeiten des Internets und der allgemeinen Hypekultur, wird man als Spieler heutzutage eigentlich nicht mehr wirklich positiv überrascht. Es sind meist die großen AAA-Titel, die bei den allermeisten von uns auf dem Radar zu finden sind. Die dann veröffentlichten Spieletests haben eher die Aufgabe zu untermauern (bzw. zu widerlegen) ob wir uns zu Recht haben anstecken lassen.

Eigentlich ein wenig schade, denn so findet man die echten Geheimtipps so gut wie gar nicht mehr. Vielleicht noch im immer stärker werdenden Segment der Browserspiele, aber ganz sicher nicht mehr bei den Vollpreistiteln, oder? Tja, falsch gedacht… Sins of Solar Empire hat Anfang des Jahres in den USA eingeschlagen wie die sprichwörtliche Bombe. Wer allerdings davon ausging, es wäre sofort ein deutscher Publisher zur Stelle gewesen der sah sich getäuscht. Es dauerte eine Weile, bis letztendlich dann doch Kalypso Media zuschlug. Die haben sich dann aber auch nicht lumpen lassen und uns sogleich eine deusche Version spendiert. Wir haben uns mitreißen lassen und dem Weltraum einen Besuch abgestattet.

Ärgerlich: Keine Kampagne
Beginnen wir gleich als erstes mit dem wohl dicksten Minuspunkt, den Sins of a Solar Empire für sich verbuchen kann. Es gibt im Grunde genommen keine echte Story und somit leider auch keine Kampagne. Zwar wird versucht im Intro eine Art Hintergrundgeschichte aufzubauen, diese ist aber so belanglos (wenn auch genial gesprochen), dass meine Wenigkeit sich nach nur ein paar Tagen nicht mehr an diese erinnern kann. Normalerweise ist so etwas für viele Titel schon ein gnadenloses Todesurteil, nicht aber hier. Wichtig ist im Grunde genommen nur, dass es drei Fraktionen im Spiel gibt. Die Advent, Vasari und TEC. Deren Einheiten sehen zwar auf den ersten Blick unterschiedlich aus, entsprechen aber im Grunde genommen jeweils dem anderen Pendant. Die Wahl der Fraktion obliegt also in erster Linie den eigenen persönlichen Vorlieben. Schade allerdings, dass diese nicht wirklich ein ansprechendes Profil spendiert bekommen haben.

Ausgedehnte Weltraumschlachten
Natürlich bedeutet dies auch, dass man früher oder später einem Mitspieler bzw. der KI übern Weg läuft und sich auf diese Art und Weise packende Weltraumschlachten um die begehrtesten Planeten liefert. Hat man diese dann letztendlich für sich entschieden, geht das Spielchen wieder von vorne los. Planet ausbauen, Verteidigungsanlagen aufbauen und mit weiteren Forschungseinrichtungen dafür sorgen, dass man möglichst bald alle Bereiche im Tech-Tree erforscht hat. Wenn man sich die Finger am Gegner nicht direkt schmutzig machen möchte, kann man auch auf die Dienste der Piraten zurückgreifen. Hier muss man einfach Sorge dafür tragen, am Ende eines Countdowns der Höchstbietende zu sein. Ist dies gelungen, heizen die Piraten dem Gegenspieler ordentlich ein. Aber Vorsicht! Was im Singeplayer noch ganz gemütlich abläuft, kann bei einer Multiplayerpartie schnell zum gegenseitigen Hochschaukeln im Preis führen. Und auch wenn die Piraten einen schon etwas nerven können, sollte man sich immer genau überlegen, ob man dann am Ende nicht lieber mit einem Angriff leben kann. Sonderlich geschickt stellen sich diese nämlich nicht an und beißen sich häufig an starken Verteidigungslinien die Zähne aus. Ganz anders als z.B. die KI in Form der Gegenspieler. Diese erkennen meist vorbildlich ob das Imperium des Spielers eine Schwachstelle hat oder aber ob man sich von einer Schlacht besser zurückziehen sollte. Auch Diplomatie ist im Spiel vorhanden, hat aber dann doch eher rudimentären Charakter. Zwar kann man mit seinen Gegnern einen Waffenstillstand aushandeln, aber so etwas wird man wohl nur nutzen um ein klein wenig zu verschnaufen. Am Ende muss man ohnehin mit seinen Gegnern durch die Galaxie wischen.

Das Gameplay
Das eigentliche Spiel fängt immer gleich an. Wir beginnen den Aufbau unseres Imperiums rund um einen kleinen Planeten und starten damit Erze und Kristalle abzubauen. Zudem sorgt unser "noch" kleines Imperium für die nötigen Steuereinnahmen. Somit gibt es im Spiel drei Ressourcen, die für das Weiterkommen wichtig sind. Geld, Erze und Kristalle. Nur wer für eine entsprechende Balance dieser drei Dinge sorgt, kann im Laufe der Zeit eine schlagkräftige Flotte ausbauen. Um aber erst einmal in den Besitz einer solchen zu gelangen, muss noch eifrigst geforscht und natürlich die entsprechende Infrastruktur aufgebaut werden. Nur wer dann über genügend Forschungsstationen verfügt, kann später auch komplexere Dinge erforschen und so z.B. vorher unbesiedelbare Planeten für sich erschließen. Ein schnelles Wachstum ist also unabdingbar. Sollte es einmal zu Engpässen in einem Bereich kommen, kann man auf dem Schwarzmarkt zuschlagen und dort z.B. fehlende Erze erwerben.

Komplexer Einstieg
Im ersten Moment wird man als Spieler von Sins of a Solar Empire erschlagen. Es gibt so viele Dinge auf die man achten muss, ganz besonders im Forschungssegment, dass man schon recht schnell den Überblick verlieren kann. Hier sollten Einsteiger auf jeden Fall die Dienste des gut gestalteten Tutorials in Anspruch nehmen. Aber selbst wenn man dieses hinter sich gebracht hat, wird es zumindest in den ersten Partien passieren, dass man die ein oder andere Sache noch übersieht. Zum Glück ist das Spiel mit Fehlern sehr nachsichtig, da das allgemeine Spieltempo recht gemütlich daher kommt. So sind es besonders die Singleplayerpartien, die nicht selten mehrere Stunden dauern können.

Grafik

84%
Die Weltraumschlachten wurden hochwertig in Szene gesetzt und sehen auch auf schwächeren Systemen sehr gut aus. Einziger Nachteil: Maximal in den Anfangsstunden zoomt man in die Schlachten noch hinein. Je länger man spielt, desto mehr weiß man die größere Entfernung und damit auch die "Iconisierung" der Einheiten zu schätzen. Dies sieht dann lediglich zweckmäßig aus, kann aber bei Bedarf jederzeit in detaillierterer Form dargestellt werden.

Sound

87%
Die deutsche Synchronisation ist erstklassig geworden. Hier hat Kalypso ein glückliches Händchen bewiesen. Leider nerven die Sprüche der Einheiten trotzdem nach einer gewissen Zeit. Dies ist aber ein Problem, mit dem nahezu jedes Strategiespiel zu kämpfen hat. Richtig Spaß hingegen kommt beim Bombardement eines Planeten auf. Hier kann man nur jedem Zocker eine wuchtige Surroundanlage mit donnerndem Subwoofer wünschen.

Gameplay

86%
Hat man sich an die Komplexität des Titels gewöhnt, geht die Steuerung der Einheiten sowie die generelle Bedienbarkeit schnell von der Hand. Zudem ist der Aufbau eines Imperiums im Grunde genommen immer gleich: Planet erobern, Planet ausbauen und sichern, weiter forschen und große Flotte aufbauen.

Motivation

92%
Hat man das Spiel erst einmal verstanden, zieht es einen voll in seinen Bann. Ihr habt private Verpflichtungen? Kümmert euch auf jeden Fall vorher drum, denn sobald man mit "Sins of a Solar Empire" anfängt, geht man in der Rolle des Commanders voll auf. Nebensächlichkeiten wie Essen und Trinken werden leicht übersehen und auch der Hund, der eigentlich noch einmal raus muss, könnte unter Umständen etwas leiden. Wer also einmal anfängt, der will die begonnene Schlacht auch zum Ende führen, ganz gleich wie viele Stunden das in Anspruch nimmt.

Multiplayer

89%
Bis zu 10 Spieler können sich Online im Universum austoben und so viele Stunden um die Herrschaft ringen. Besonders der Einsatz von Piraten führt hier häufig zu einem preislichen Hochschaukeln untereinander, welches dann letztendlich sogar spielentscheidender werden kann, als der eigentliche Angriff. Zudem macht es natürlich tausendmal mehr Spaß menschliche Gegner zu schlagen als den Computer.

Pro / Contra

pro

  • Umfangreiche Tech-Trees
  • Toll inszenierte Weltraumschlachten
  • Viele Szenarios
  • Gelungene deutsche Synchronisation
  • contra

  • Keine Kampagne
  • Sich wiederholende Einheitensprüche (nervig)
  • Keine richtige Identifizierung mit den Völkern
  • Zwischensequenzen wären nett gewesen
  • Systemvoraussetzungen

    1,8 GHz, 512 MB RAM, 128 MB 3D-Grafikkarte, Windows Vista/XP SP2

    Fazit

    88%
    Ich habe lange keinen Titel mehr gespielt, der mich so in seinen Bann gezogen hat wie "Sins of a Solar Empire". Hätte mir vorher jemand gesagt, ich würde dermaßen viel Spaß mit einem Titel haben, der ohne Kampagne daher kommt, ich hätte es nicht geglaubt. Aber wer braucht schon eine Kampagne, wenn die eigentlichen Gefechte mehrere Stunden andauern und man dafür viele abwechslungsreiche Szenarios an die Hand bekommt. Alleine meine erste Partie fing an einem Samstag um 13 Uhr an und endete mit einer erzörnten Ehefrau am Sonntag in der Nacht um 3 Uhr. Warum so lange? Nun, ich habe einfach drauflos gespielt und gerade am Anfang die Forschung irgendwie total aus den Augen verloren. Zum Glück konnte ich diese Anfangsfehler aber noch mit einer großen Kraftanstrengung ausbügeln. Für mich persönlich ist "Sins of a Solar Empire" einer der ganz großen Titel des Jahres 2008 oder wie ich zu einem guten Freund sagte: "Dieses Spiel ist göttlich!". Gut, ganz so ist es dann natürlich nicht und man hat noch viel auf dem Wunschzettel für einen zweiten Teil. Stichwort "ausführliche Kampagne" und einen finanzfreudigen Publisher im Hintergrund würde ich mir auch wünschen, damit das Team in aller Ruhe am zweiten Teil werkeln kann. Es ist aber gerade der Charme des nicht ganz Perfekten, der aus "Sins of a Solar Empire" einen so grandiosen Titel macht. Teil 2 jedenfalls, sofern dieser denn kommt, wird von mir blind gekauft!

    Kommentare zu Sins of a Solar Empire

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