Rock Band 2

Neues Futter für alle Konsolen-Musiker!

Eines der besten Partyspiele wird endlich fortgesetzt - vorerst allerdings nur auf der Xbox 360. Wie haben die Klampfen erneut in die Hände genommen, die Drumsticks gezückt, das Mikrofon durchgepustet und uns durch die umfangreiche Songauswahl gerockt. Was Rock Band 2 zu bieten hat, erfahrt ihr in unserem ausführlichen Test!

Mit seinem erfolgreichen Gitarrenspiel „Guitar Hero“ sorgte Entwickler Harmonix für frischen Wind auf den Spielkonsolen. Nach ihrem erfolgreichen Einstieg widmeten sich die Entwickler aber einem größeren Projekt und übergaben die Rechte an das durch seine Tony Hawk Reihe bekannt gewordene Entwicklerstudio Neversoft. Während man dort wiederum an diversen Ablegern von Guitar Hero schusterte, lieferte Harmonix vor einem Jahr eine stark erweiterte Version ihres Grundkonzepts ab: Rockband.

Meet the Band
Auch hier gilt es eine gehörige Portion Taktgefühl und ein gutes Ohr für Rhythmus zu beweisen, um die auf dem Bildschirm angezeigten Befehle auszuführen. So müssen die im Takt angegebenen, farbigen Markierungen punktgenau auf das robust verarbeitete Plastikinstrument übertragen werden. "Instrument" ist das richtige Stichwort, denn im Vergleich zum früheren Guitar Hero besteht die Ausstattung von Rockband nicht nur aus der bekannten Gitarre, sondern lädt auch noch Leadsänger, Drummer und optional auch noch einen Bassisten zum virtuellen abrocken ein. Wer als vierter Mann die Bühne zum bersten bringen will muss sich aber die benötigte, zweite Gitarre noch zusätzlich beim Musikfach...ähm...Elektronikhändler seines Vertrauens besorgen.

Rockband Reloaded?
Im Vorteil sind jene Rampensäue, die sich schon damals das komplette und recht teure Instrumenten-Set zusammengekauft haben, denn selbige Krawallmacher verrichten ihren Dienst auch anstandslos in Rockband 2. Genau wie im Vorgänger, müssen die Musiker in Spee zur richtigen Zeit den richtigen Knopf an ihrem Instrument bedienen, bzw. auf das Drumkit einhämmern. Die farblichen Markierungen, die auf dem Bildschirm erscheinen, geben jene Tasten wieder, die bedient werden wollen. Schön, dass dieses Spiel selbst den hartgesottensten BroSis-Fans den Takt des guten alten Rock'n Roll näher bringt.
 
Das Spielprinzip entspricht also fast jenem Gameplay, welches schon Guitar Hero groß gemacht hat, ist aber durch die gemeinschaftliche Performance und dem zusätzlichen Gesang um mindestens 15 Metallicakonzerte spaßiger. Während die Instrumente erklingen, hat sich der Sänger voll und ganz der oberen Bildschirmleiste zu widmen. Hier steht ähnlich dem Singstar-Prinzip der zu singende Text und zwischenzeitlich auch, an welchen Stellen man via Freestyle-Gesang das Publikum zum toben bringen kann. Allerdings umschleicht einen nach wie vor das Gefühl, dass der Gesang eine eher untergeordnete Rolle spielt, so muss man sich nicht wirklich bemühen um rekordverdächtige Traumwertungen zu erzielen. Schwamm drüber, das Gesamtgefüge zählt und das ist hier nach wie vor unerreicht! Mit diesem Konzept und der vollen (nicht gerade billigen) Ausstattung können angehende Rockstars ihr Wohnzimmer zum beben und Nachbarn dem Wahnsinn näher bringen...

Das zweite Album ist immer das schwierigste!
Das Herzstück des Spiels ist wieder der "Welttournee-Modus", in dem man die komplette Karriere seiner Band begleiten und maßgeblich beeinflussen kann. Hier dürft ihr euch um einen Bandnamen, das Aussehen der Akteure und deren Daten kümmern, bevor man die virtuelle Garagenband auf die Menschheit los lässt.
 
Das ist soweit nicht neu, aber um einige Stellschrauben und Möglichkeiten umfangreicher, als es noch in Rockband war. Generell fallen die Verbesserungen und Erweiterungen zum Vorgänger eher spartanisch aus. Es gibt nun endlich die Möglichkeit, alleine oder mit seiner Band zusammen eine Karriere via XboxLive zu starten und andere Bands zu bekriegen oder durch die eigene Anwesenheit zu erweitern.
Hinzu gesellen sich noch ein "Challenge Modus" und das "Battle of the Bands", in denen man seine Techniken verfeinern oder sich online mit anderen Möchtegern-Musikern messen kann.
 
Dass das Leben eines Rockers manchmal eine brotlose Kunst ist, beweist die im Spiel gängige Währung: Fans. Diese rennen euch nach gelungenen Auftritten die Bude ein und schalten neue Extras und Gimmicks frei. Hier liegt auch der offensichtlichste Unterschied zum Vorgänger, denn In Rockband 2 ist alles etwas größer, besser und pfiffiger umgesetzt.
 
So ist nun endlich auch ein Lernmodus für die anfangs doch recht schwer zu bedienenden Drums enthalten. Wer im "Welttournee-Modus" während eines Gigs sein Instrument nicht unter Kontrolle hat, der fliegt – und zwar aus dem laufenden Song. Einzig die Künste der Mitmusiker können dieses Versagen kompensieren und durch eine konsequent gute Performance so manch gefallenes Bandmitglied wieder auf die Bühne zurückholen. Das war im ersten Teil Gesetz, ist im Nachfolger aber optional ausschaltbar und nennst sich folgerichtig "Nicht-Versagen-Modus". Durch gutes Handling an der Gitarre kann man diese in den Overdrive schalten und ein Soundfeuerwerk abfeuern, wenn die Gitarre in die Luft gerissen wird. Achtung, Schweißspuren!

Ganz schön üppig!
Zu Songs wie "Chop Suey" von System of a Down oder Survivors "Eye of the Tiger" spielt man sich wahlweise alleine - besser aber mit Freunden - von der kleinen Garagencombo aus der Nachbarschaft bis zur stadionfüllenden Überband an die Spitze der Nahrungskette.
 
Positiv fällt nicht nur die Klasse sondern auch die Masse an neuen Songs und deren gute Auswahl auf. So ist die Disk mit 84 Songs und die Spielverpackung mit einem Gutschein über weitere downloadbare Hymnen ausgestattet. Jene Lieder, die bereits für Rockband heruntergeladen wurden, finden sich nun auch in der Songauswahl des Nachfolgers wieder. Generell gibt es für Rockband und Rockband 2 eine enorme Auswahl an erstklassigen Songs, welche allerdings zusätzlich für teure Microsoft-Points gekauft werden müssen. So bleibt aber die enorme Langzeitmotivation noch zusätzlich erhalten, denn ständig werden neue und abwechslungsreiche Downloads veröffentlicht.

"Hast du den Sänger gesehen? Der sieht ja heiß aus...!"
Während die spielerischen Neuerungen zwar rar gesät, aber dafür immerhin absolut genial in Rockband 2 eingefügt sind, bleibt die Präsentation auf dem Stand des Debüts zurück.
Das ist nicht weiter schlimm, waren die Gigs ja schon im Vorgänger rabiat und witzig in Szene gesetzt. Die selbstherrliche Art, die von den Bühnenrowdies überdreht im stilsicheren Cartoonlook auf die Spieler transportiert wird, wirkt angenehm wild und passt perfekt zu der dargebotenen Musik, die aus den Boxen hämmert.
 
Mehr Einstellmöglichkeiten und freischaltbare Extras lassen die Stars der Band nun noch abgefahrener und persönlicher wirken:
 
So gibt es Unmengen an Tattoos, Kleidungen, Frisuren und Rockerposen, die man dem virtuellen Bandleader und seiner Crew auf die Polygon-Haut pflastern darf. Während Sound und die Musik nach wie vor zu begeistern wissen, sollte es dem Spieler nur selten gelingen, einen Blick auf sein Alter Ego zu richten. Die Instrumenteneinblendungen und die eingeforderte Konzentration lassen kaum Zeit, das stimmungsvolle Geschehen auf der Bühne zu betrachten.

Grafik

76%
Das Geschehen ist optisch ansprechend in Szene gesetzt. Die Musiker wirken stimmig und sind sehr detailliert dargestellt. Witzige Animationen und die vielen optischen Details wie Tattoos und Co, lassen den Spieler maßgeblich an der Gestaltung der Band teilhaben. Das Bühnengeschehen wirkt - dank der Effekte und den witzigen Rockerposen - authentisch. Das Gezeigte geht in der Fülle von Bildschirmanzeigen leider etwas unter, stört aber wenig, da die Augen der Spieler ohnehin die meiste Zeit auf den Anzeigen kleben dürften. Die Gesamtpräsentation hinterlässt also einen durchweg positiven Eindruck.

Sound

93%
Von der tollen Musikauswahl bis hin zu den selbst eingespielten Gitarreneffekten resultiert alles in einem absolut hörenswertes Gesamtbild. Wer eine Heimkinoanlage besitzt, kommt in den Genuss wahrlich fetter Sounds, dank gut ausgewählter Musik. Trotz der Dominanz von rockigen Songs, ist die Musikauswahl dennoch sehr abwechslungsreich ausgefallen. Top! So muss es bei einem Musikspiel sein!

Gameplay

89%
Wer einmal die Instrumente in die Hand genommen hat, will diese so schnell nicht mehr aus der selbigen legen. Gerade in Kombination mit mehreren Freunden, ist dieses Banderlebnis ungeschlagen und motiviert nicht selten dazu, sich die Nacht um die Ohren zu schlagen. Der heimliche Star ist wohl das Drumkit, aber auch die anderen Instrumente und der gelungene Welttournee-Modus mit seinen Onlinemodi lassen Luftgitarristen in die Höhe springen (und hoffentlich nicht im Glastisch landen)!

Motivation

90%
Während Rockband 2 für Solospieler eher auf Sparflamme köchelt, entwickelt sich das Game in Kombination mit Freunden zum absoluten Party-Hit. Dank vieler freischaltbarer Extras, neuem Zubehör für die virtuellen Rockstars und der riesigen Auswahl an neuen Songs zum downloaden, lässt das Spiel auch auf sehr lange Sicht keine Langeweile aufkommen. Wenn man sich in der eigenen Band auf seinen Instrumenten eingespielt hat, macht sich ironischerweise ein tatsächliches Bandgefühl breit und lässt Rockerherzen im schnellen Takt schlagen.

Multiplayer

89%
Rockband 2 ist definitiv als Mehrspieler- oder auch Partyspiel ausgelegt. Während andere Spiele einen Mehrspielermodus optional anbieten, ist dieser hier rein gar nicht wegzudenken. So ist es ein unvergleichbares Spielerlebnis, sich gemeinsam mit seinen Freunden dem Karrieremodus oder Spielern und "Nachwuchsbands" auf der ganzen Welt zu stellen. Solisten können nun endlich auch alleine in den Weiten von XboxLive nach Herausforderungen und anderen Bands suchen. Das ist zwar nur halb so witzig wie mit zwei oder drei Freunden, steigert aber immerhin das Gefühl, in einer Band zu sein.

Pro / Contra

pro

  • XboxLive-Karriere verfügbar
  • Riesige Songauswahl
  • Tolles Bandgefühl
  • Geniales Partyspiel
  • Alte Songs werden übernommen
  • Gutschein für weitere Songs inklusive
  • contra

  • Wenige Neuerungen zum Vorgänger
  • Teuer in der Anschaffung
  • Downloadinhalte teuer
  • Spielspaß auf Dauer nur mit Freunden
  • Fazit

    89%
    Rockband 2 führt das motivierende Spielprinzip des Vorgängers konsequent weiter. Kein anderes Musikspiel bietet derzeit eine so Große und gelungene Songauswahl. Der Lernmodus bietet einen leichten Einstieg für Anfänger und der "Welttourneemodus" sorgt für Langzeitmotivation. Solospieler sollten sich jedoch einige Punkte der Gesamtwertung abziehen, da sich das wahre Potential erst bei mehreren Mitspielern vor Ort statt alleine oder über XboxLive einstellt. Klar, Harmonix hätte noch einige weitere Features in Rockband 2 einbauen können, jedoch bleibt es unterm Strich eines der besten Party-Games überhaupt. Der Spielspaß wird lediglich von gereizten Nachbarn gestört, die hartnäckig an die Wände klopfen oder die Türklingel malträtieren. Was soll's, rock on! ;-)

    Kommentare zu Rock Band 2

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