Killer 7

Eines der abgedrehtesten Spiele aller Zeiten!

Spieler des jüngsten Streiches von Resident Evil-Erfinder Shinji Mikami müssen sich auf eine außergewöhnliche Erfahrung gefasst machen: Statt sich Horden von Untoten zu erwehren, schlüpfen sie in diesem in Zusammenarbeit mit dem Entwicklerstudio Grasshopper Manufacture realisierten Titel in die Rollen verschiedener Auftragsmörder. Das bizarre daran: Eigentlich existieren diese Personen nur in der derangierten Psyche eines Profikillers… Willkommen bei Killer 7, einem der merkwürdigsten Spiele, mit denen Playstation 2- und Gamecube-Besitzer wohl jemals konfrontiert werden.

Garcian Smith erhält einen Auftrag
Harman Smith ist ein berüchtigter Profikiller und geistig hochgradig gestört. In seinen Gehirnwindungen leben gleich sieben verschiedene Persönlichkeiten, jede ein As in der Kunst des Tötens. Mit diesem Killergespann im Kopf wird er zum ultimativen Attentäter. Ganz oben auf der Abschussliste des schizophrenen Hitman stehen fanatische Selbstmordattentäter, "Heaven Smiles" genannt. Diese wandelnden Bomben detonieren bei Berührung und reißen alles in ihrer unmittelbaren Umgebung ins Verderben. Und als hätte der Mann nicht schon genug Probleme, findet er sich auch noch inmitten einer Verschwörung wieder, die in einem ernsten Konflikt zwischen Japan und USA gipfelt… Bei einer derart wirren Storyline fällt es dem Spieler schon schwer, den Durchblick zu behalten.
 
 
Fast ebenso eigenwillig wie das Spielkonzept mit den multiplen Persönlichkeiten ist die Steuerung von Killer7. Mittels Tastendruck rennt der Charakter auf einer festgelegten Bahn durch die Spielewelt, ein freies Erkunden ist nicht möglich. Der Protagonist kann sich lediglich noch umdrehen und den Weg zurücklaufen. Stößt er auf eine Kreuzung oder ein Objekt, mit dem er interagieren kann, muss die gewünschte Aktion mittels Analogstick ausgewählt und bestätigt werden. So untersucht er Gegenstände, schlägt eine neue Laufrichtung ein oder unterhält sich mit Personen wie Iwazaru, einen an einem Seil baumelnden Lustknaben, der euch mit nützlichen Informationen versorgt. Die Steuerungsmethode ist zwar zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig, geht einem aber schnell in Fleisch und Blut über.

Con Smith hat eine Botschaft von einer Brieftaube erhalten
Während der Wanderschaft durch die Szenerien signalisiert ein markantes Lachen die Anwesenheit von Feinden. Nun müsst ihr die Ego-Perspektive aufrufen und die Umgebung nach Gegnern scannen. Dieser Scanvorgang macht die herannahenden Kreaturen und ihre Schwachstellen sichtbar. Erst dann können die Angreifer aufs Korn genommen werden, wobei sie durch einen gezielten Treffer ihres jeweiligen Schwachpunktes sofort das Zeitliche segnen. Außer jede Menge Heaven Smiles - inklusive illusterer Endgegner wie ein mit Gehirnen werfendes Zombieduo - abzuknallen, gilt es zudem noch ein paar recht simple Puzzles zu lösen. Manchmal spielen dabei obskure Ringe, die ihr von einem abgetrennten Frauenkopf erhaltet, eine wichtige Rolle. Gelegentlich müsst ihr auch unter anderem eine Reihe von Fragen richtig beantworten, um einen neuen Bereich betreten zu dürfen. Die Rätseleinlagen sorgen für Auflockerung von dem schier endlosen Zielschießen, beanspruchen eure kleinen grauen Zellen jedoch kaum.
 
 
An manchen Stellen bedarf es gar eines bestimmten Charakters, um den Spielverlauf weiter voranzutreiben. Denn jeder der sieben Auftragsmörder, die sich im Kopf von Harman Smith eingenistet haben, besitzt spezielle Fähigkeiten. So ritzt sich etwa die Scharfschützin Kaede Smith die Pulsadern auf und fördert mit dem Blutschwall Verborgenes zu Tage. Wrestler Mask de Smith räumt dagegen mit seinen Granatwerfern Barrieren aus dem Weg. Coyote Smith knackt Schlösser und Kevin Smith kann sich ungesehen an Feinden vorbei schleichen und Sicherheitssysteme überlisten. Con Smith ist außergewöhnlich flink und in der Lage, sich durch enge oder niedrige Öffnungen zu zwängen, während Dan Smith mit speziellen Kugeln die Kontrahenten ins Jenseits pustet. Außerdem wäre da noch Garcian Smith, der die in einer Papiertüte lagernden Überreste eines gefallenen Killers einsammelt. Dadurch kann der Verstorbene wiederbelebt werden. Das unfreiwillige Dahinscheiden eines Charakters bedeutet demnach noch längst nicht das Spielende. Mit Hilfe von Blutserum können im übrigen die Eigenschaften (z.B. "Angriffskraft" oder "Soforttötung") der Smith-Killer verbessert oder weitere Fertigkeiten (wie etwa "Gegenangriff") erworben werden.
 
 
Killer 7 ist eine extrem abgedrehte Spielekost in eigenwilliger Cell-Shading-Optik, die sicher nicht jedermanns Geschmack trifft. Bizarr und außergewöhnlich ist der Titel allemal. Regisseur David Lynch (Twin Peaks, Lost Highway, Mulholland Drive) hätte jedenfalls seine wahre Freude an diesem Psycho-Trip made in Japan.
 
 
Chris Peller

Grafik

85%
Killer 7 kommt in extravaganter Cell Shading-Optik im Comic-Look daher. Die teilweise bunte, reduzierte Grafik ist sicherlich nicht jedermanns Geschmack, unterstreicht letztendlich aber perfekt die Andersartigkeit dieses durchgeknallten Spiels. Qualitativ hochwertige Zwischensequenzen im Anime-Stil treiben außerdem die Story voran.

Sound

85%
Akustisch werden alle Register gezogen: Verfremdete Stimmen, schräge Gitarrenriffs, hysterisches Gelächter, satte Waffensounds und Explosionen sowie eine facettenreiche Musikuntermalung sorgen für das passende Ambiente bei diesem Psycho-Trip. Die Sprachausgabe erfolgt in Englisch mit deutschen Untertiteln.

Gameplay

85%
Das Gameplay orientiert sich prinzipiell an herkömmlichen Action-Adventures. Auf festgelegten Bahnen laufen wir durch die Level, lösen kleine Puzzles, nehmen in der Ego-Perspektive Angreifer aufs Korn und wechseln bei Bedarf zwischen den verschiedenen Charakteren hin und her. Gespeichert wird dabei in speziellen Räumen.

Motivation

85%
Die abgefahrene Präsentation, die vielen schrägen Ideen und die durchgeknallte Story treiben den Spieler förmlich durch das eigenartige Geschehen. Nach dem Durchspielen gesellt sich übrigens eine weitere Persönlichkeit zu dem Killer-Ensemble hinzu.

Pro / Contra

pro

Einzigartiges Spielkonzept mit abgedrehten Ideen, außergewöhnliche Präsentation, unterschiedliche Spielfiguren mit upgradebaren Fähigkeiten

contra

Spielkonzept und Präsentation nicht jedermanns Geschmack, Gameplay auf Dauer etwas monoton, keine Bewegungsfreiheit

Fazit

%
Allein der Mut, ein derart abgedrehtes Spiel zu veröffentlichen, verdient Hochachtung. Killer 7 ist ein bizarres Erlebnis, das sich nur schwer in Worte fassen lässt. Mit Sicherheit ist die Inszenierung nicht jedermanns Geschmack, doch wer nach einer wirklich außergewöhnlichen Spielerfahrung sucht, der wird bei diesem eigenwilligen Titel aus dem Land des Lächelns garantiert fündig.

Kommentare zu Killer 7

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