Sim City Rom – wie gut ist die antike Städtebausimulation?
Schon in unserer Vorschau im Dezember konnte der inoffizielle Nachfolger zum Aufbauspiel "Die Römer" überzeugen. Inzwischen liegt uns die fertige Testversion vor und unsere guten Eindrücke zu Imperium Romanum haben sich fast durchweg bestätigt.
Wann ihr ein Misisonsziel aktiviert, steht euch frei.
Ab urbe condita – von der Gründung der Stadt, so beginnt fast jede Mission in Imperium Romanum. Auf einem unbebauten Landstrich steht oft allein ein kleines Forum, um das ihr eine ansehnliche römische Metropole errichten sollt. Dazu gehören Sklavenunterkünfte, Schulen, Bäckereien oder Handelsposten, alles was die Einwohner verlangen und was ihr als "Präfekt" der Siedlung benötigt, um die Stadt gut in Schuss zu halten. Wer schon einen der Caesar-Titel oder den Vorgänger "Die Römer" gespielt hat, findet sich im römischen Städtebau jedenfalls sofort zurecht, allen anderen erklärt ein gutes Tutorial die Grundlagen.
Regen in der römischen Provinz - trotzdem hübsch.
Vorsicht vor dem MobFür den Bau aller Gebäude benötigt ihr einige Ressourcen, neben den Denari, der Währung im alten Rom, sind das Holz, Stein und Ziegel. Die Gewinnung der Rohstoffe ist in Imperium Romanum allerdings recht simpel und weitaus einfacher als etwa bei Anno 1701. Ihr müsst lediglich eine Holzfällerhütte in die Nähe eines Waldes bauen oder eine Ziegelei unweit des Wassers platzieren. Vernachlässigt ihr vor allem den Holzabbau, droht schnell ein Baustopp in eurer Siedlung, was verheerende Folgen haben kann. Könnt ihr nämlich nicht die Wünsche der Bevölkerung nach neuen Tempeln, Schulen oder ausgefallenerer Nahrung befriedigen, werden die Leute schnell ungehalten und setzen als pöbelnder Mob einzelne Häuser oder im schlimmsten Fall gar das Forum in Brand. Passiert letzteres, gilt die Mission als gescheitert.
Die Geschichte Roms dürft ihr im Historienmodus nachspielen.
Gelungenes WirtschaftssystemGerade in unseren ersten Partien passierte dies recht oft. Erst als wir ein Gespür für die Notwendigkeit von Holz entwickelten und zudem eine Präfektur errichteten, konnten wir die Aufstände in Schach halten. Um allerdings die Nahrungswünsche der Einwohner zu erfüllen, müsst ihr in manchen Missionen einfach auch bestimmte Güter importieren, was natürlich Denari kostet. Da ist es gut, wenn ihr ein anderes Gut im Überschuss produziert und gewinnbringend an eine Provinz Roms verkaufen könnt. Neben diesen Einnahmen erhaltet ihr auch Steuergelder der Einwohner, zudem dürft ihr einmalig pro Ausbaustufe des Forums eine Extrazahlung verlangen. Ein kleiner Obolus kommt auch durch die Spenden in Tempeln zusammen. Letztlich hatten wir zwar nie wirklich viel Geld auf unserem Spielkonto, doch das Balancing von Einnahmen und Ausgaben erschien uns angenehm stimmig.
Backe backeBäckereien verarbeiten Getreide zu Brot, Schlachter Rinder zu Fleisch und der Schmied schmiedet sofort aus dem Eisen die Waffen. Das Wirtschaftssystem ist somit nicht wirklich komplex, hält mit dem des letzten Siedler-Teils aber problemlos mit, ohne dessen nervige Zentralisierung zu übernehmen. Zu tun gibt es in eurer Siedlung ohnehin immer irgendetwas - ob nun ein Brand gelöscht, ein Äquadukt verlängert oder eine neue Handelsroute für Marmor erstellt werden muss. Zuweilen erschien uns das Spieltempo dennoch trotz Beschleunigungsmöglichkeit etwas zu langsam.
Für besondere Leistungen erhaltet ihr Spezialgebäude wie den Triumpfbogen.
Stets ein Ziel vor AugenEinen roten Faden durch die Missionen, geben euch die abwechslungsreichen Ziele. Von diesen sind immer drei aktiv, weitere lassen sich bei Erledigung eines Zieles öffnen. Die Anforderungen an euch sind grundverschieden. Mal sollt ihr nur zehn Häuser bauen oder das Forum auf Stufe zwei aufwerten, später müsst ihr die Barbarenstämme in der Umgebung auslöschen oder einen großen Neptuntempel errichten. Auch wenn sich die Aufgaben mit der Zeit ähneln, sorgen sie doch für spannende Aufbaukost, da ihr nicht nur einfach so vor euch hinbaut wie in Sim City Societies. Gelegentlich sorgen Ereignisse wie die Pest oder ein kleiner Konflikt mit Rom für Aufruhr.
Rom steht euch als Spielplatz sofort zur Verfügung.
Passive KriegsführungDer Militärpart von Imperium Romanum ist leider ziemlich öde geworden und der wohl größte Schwachpunkt des Spiels. Ihr baut nämlich nur Schwertkämpfer- und Bogenschützenkasernen und schickt die Truppen dann über ein Banner in den Kampf - direkt steuern dürft ihr die Einheiten leider nicht. Treffen eure Truppen auf Feinde, bleibt euch somit nur noch die Rolle des Zuschauers. Hier hätten wir aus der Sicht des Aufbaufans lieber ganz auf den Militärpart verzichtet oder aus der des Echtzeitstrategiespielers das Ganze umfangreicher gestaltet, so ist der Militärbereich weder Fisch noch Fleisch.
GeschichtsstundeSehr viel Mühe haben sich die Entwickler dafür mit der historischen Genauigkeit gegeben. Beim Lesen der Missionsziele erfahrt ihr auch immer ein wenig geschichtliches Hintergrundwissen und im Rahmen des Geschichtsmodus verfolgt ihr das römische Reich von seinen Anfängen bis zum bitteren Ende. Diverse Einzelszenarien oder der Spielmodus Rom stehen ebenfalls zur Wahl, in letzterem beginnt ihr bereits mit einer gut entwickelten Stadt.
Eine gut ausgebaute Siedlung, wichtig ist vor allem der Wasserzulauf für die Brunnen.
Die Steuerung hält sich soweit an den Genrestandard. Nicht gefallen hat uns die Kamerakontrolle. Auch die Zusammensetzung des Baumenüs wirkt stellenweise etwas unglücklich, zumal einige Gebäude falschen Rubriken zugeordnet und somit schwer zu finden sind. Grafisch bietet Imperium Romanum sehr hübsche Städte und detailreiche und vor allem realistische Gebäude. Der Wuselfaktor ist nicht so groß wie bei einem Anno oder Siedler, aber vollkommen ausreichend. Zudem überzeugen die Lichteffekte und die Landschaftsgestaltung.
80%
Wer genau hinsieht kann den Bewohnern bei ihrer Arbeit zusehen, überzeugender ist aber der positive Gesamteindruck einer ausgebauten Stadt. Die Gebäude wirken sehr realistisch und der Detailgrad ist hoch. Lediglich die Kamerakontrolle ist eine mittlere Katastrophe, dafür sind die Ladezeiten extrem kurz.
75%
Die deutsche Sprachausgabe ist sehr professionell, die Musik begleitet den Aufbau der Städte ruhig und stilvoll.
82%
Imperium Romanum spielt sich überraschungsarm wie man es von einem Aufbauspiel mit römischem Hintergrund erwartet. Doch das muss nicht schlecht sein, zumal der Aufbaupart und das Wirtschaftssystem absolut stimmig sind und euch auch nicht überfordern.
84%
Die geschichtlichen Hintergründe der einzelnen Einsätze und auch die vielen Missionsziele halten die Motivation lange Zeit auf hohem Niveau. Sobald allerdings in eurer Stadt mal etwas schief läuft, bekommt ihr davon meist zu spät etwas mit, die Statistiken lassen sich jedenfalls nur schlecht lesen.
pro
Toller AufbaupartViele MissionszieleVerabreicht geschichtliches HintergrundwissenHübsche GrafikZahlreiche Szenarien und Spielmodi
contra
Kamerakontrolle schlecht gelöstStatistiken relativ nichtssagend und sehr kleinMilitärpart schwachMissionsziele wiederholen sich auf DauerSpieltempo etwas zu langsam
CPU mit 1,7 GHz, 512 MB Ram, 1 GB Festplattenspeicher
83%
Imperium Romanum erfindet das Rad der römischen Städtebausimulationen sicherlich nicht neu, macht dafür aber fast alles richtig. Der Aufbaupart und das Wirtschaftssystem sind gelungen und die Missionsziele sowie die kurzen Geschichtsstunden sorgen für Langzeitmotivation. Einzig beim Militärpart schwächelt das Spiel, doch ist es hier in illustrer Runde mit "Caesar IV" oder "Civ City Rome". Nachdem im letzten Jahr sowohl "Die Siedler" als auch "Sim City Societies" bei den Aufbauspielen enttäuschten, ist Imperium Romanum hoffentlich der Auftakt zu einem tollen Spielejahr für Städtebaufans. Wem das Romsetting noch nicht zu verbraucht ist, schlägt beim inoffiziellen Die Völker-Nachfolger blindlings zu.
Kommentare zu Imperium Romanum