Grand Theft Auto IV

Nur Spiel des Jahres oder Spiel des Jahrzehnts?

Erstaunlich früh dürfen nun auch PC-Zocker Rockstars Meisterwerk unter die Lupe nehmen. Als Grand Theft Auto 4 im April für die Konsolen erschien, war es in aller Munde, nicht nur in der Spielepresse. Und dabei wurde das Spiel seinem Hype durchaus gerecht. Ob das allerdings in gleichem Maße auch für die PC-Umsetzung gilt? Aufgrund technischer Probleme mit dem Titel hat sich unser Test der PC Version leider zunächst bis zum Erscheinen eines ersten Patch verschoben. Doch jetzt ist es endlich soweit - was euch GTA IV auf dem PC bietet, lest ihr im Test!

Ich bin dann mal weg
Wie für ein GTA typisch, baut der neue Teil nicht auf einem der Vorgänger auf, sprich ihr spielt einen frischen unverbrauchten Helden und erkundet eine neue Stadt mit bekanntem Namen. Fans der Serie kennen "Liberty City" natürlich bereits aus GTA III anno 2001, doch bis auf den Namen haben diese beiden Schauplätze wenig gemeinsam. Vorlage für Liberty City war Ney York City, samt seinen ganzen Sehenswürdigkeiten, der Insellage und den vielen Brücken. Das gesamte Gebiet in GTA IV mag von der Quadratkilometerzahl ein wenig kleiner als der ganze Bundesstaat San Andreas im letzten Serienteil sein, doch dafür sind alle Bereiche dicht bebaut, öde Außenbezirke oder Landstraßen gibt es hier nicht.

Das Design der offenen Spielwelt von Liberty City ist das eigentliche Highlight des Spieles. In einer bisher nie zuvor gesehenen Qualität, wirkt die Stadt ungemein lebendig und glaubhaft. Jedes Haus hat seine Eigenarten, jeder Straßenzug ist unverwechselbar, zudem herrscht auf den Straßen buntes Treiben. Blechlawinen strömen durch die Häuserschluchten, kleinere Auffahrunfälle verursachen schon mal einen kilometerlangen Stau und auch auf den Fußwegen gibt es ständig etwas zu sehen. Touristen knipsen die Sehenswürdigkeiten von Liberty City, Penner fragen euch nach etwas Kleingeld und der wichtige Geschäftsmann spricht beim Laufen ins Handy. In der Ferne hört ihr Polizeisirenen, während ihr um die Ecke beim Imbiss einen Hamburger verschlingt oder am West River den Motorbooten dabei zuschaut, wie sie über das grandios aussehende Wasser schippern. Auf der anderen Seite des Flusses erheben sich zahlreiche imposante Wolkenkratzer, doch vorerst sind die anderen Inseln, auf denen sich Liberty Island erstreckt, für euch unerreichbar. Zu Beginn dürft ihr euch nämlich nur auf der östlichen der drei großen Eilande austoben, die Brücken zu den anderen Stadtgebieten sind aufgrund einer Terrorwarnung zunächst geschlossen.

Illegale Jobs auf dem Weg zu Ruhm und Reichtum
Held von GTA IV ist Nico Bellic, ein osteuropäischer Auswanderer, der dem Ruf seines Cousins folgt und per Schiff nach Amerika reist, um hier ohne Bürgerkrieg ein neues Leben zu beginnen. Natürlich kann Liberty City auf den ersten Blick die Erwartungen von Nico nicht erfüllen. Sein Cousin lebt in einer ärmlichen Wohnung und arbeitet für ein Taxi-Unternehmen, das klang in den Briefen doch alles besser. Doch getreu dem Motto "selbst ist der Mann", wird Nico nach und nach durch harte Arbeit im Ansehen der Bevölkerung aufsteigen. Auf diese Weise erlebt ihr die Gangsterkarriere von Beginn an.

Charakterstudie
Absolut einzigartig sind die kleinen Geschichten, die das Spiel vor und innerhalb den Missionen erzählt. In kinoreifen Zwischensequenzen werden euch Nico, seine Freunde und seine Feinde näher gebracht. Sämtliche Charaktere wurden hervorragend ausgearbeitet und sind keine leeren Bösewichtshüllen, wie so oft in Videospielen. So kommen beispielsweise die Ängste von Nicos Cousin absolut glaubhaft herüber, als der Held den Chef des Taxi-Unternehmens kaltblütig ermordet und im Hafenbecken entsorgt. Atmosphärisch ist die Story samt ihren Charakteren mit nichts zu vergleichen, einzig "Mafia" bot schon vor einigen Jahren Vergleichbares.

Das bekannte GTA-Gameplay bleibt weitestgehend unangetastet. Grundsätzlich könnt ihr euch also komplett frei in der großen Stadt bewegen, wobei selbst das Herumcruisen und Entdecken schon viel Spaß macht. Daneben warten auf euch einige Minijobs etwa als Taxifahrer oder Drogenkurier und ihr könnt euch mit Freunden oder Freundinnen verabreden, um am Abend Bowling zu spielen oder eure Freizeit in der Bar zu verbringen. Stilecht torkelt ihr nach einem Barbesuch betrunken über die Straße und seid kaum in der Lage, ein Auto zu fahren. Doch wofür gibt es Taxis in Liberty City. Per Pfiff haltet ihr einen gelben Wagen an und lasst euch vom Fahrer nach Hause bringen, während ihr vom Rücksitz die prachtvolle Stadt bewundert, auf Wunsch könnt ihr die Fahrt aber auch überspringen.

Der große Autodiebstahl
Taxis sind natürlich nicht das einzige Fortbewegungsmittel. Praktisch alle Autos in der Stadt können von euch benutzt werden, dafür müsst ihr entweder die Fahrer vom Steuer zerren oder einen Wagen am Straßenrand knacken. Letzteres ist nicht ganz ungefährlich, denn viele Autos besitzen eine Alarmanlagen und machen die Polizei auf euch aufmerksam. Um schnell von einem Stadtteil zum andern zu gelangen, bietet sich auch das ausgedehnte U-Bahnnetz der City an, vier Linien bringen euch fast überall hin, wenn man denn die etwas versteckten Stationen findet. Später im Spiel dürft ihr auch in Motorboote oder Helikopter steigen und Liberty City aus einem ganz anderen Blickwinkel betrachten. Viele Sehenswürdigkeiten wie den Middle Park oder die Insel mit der Statue of Happiness lassen sich am besten zu Fuß entdecken. Wem New York vertraut ist, der wird sicherlich viele bekannte Orte wiedererkennen, auch wenn die Namen leicht verfremdet sind. GTA IV ist auf jeden Fall nicht nur ein Spiel, sondern auch virtuelles Sightseeing.

Deckung rettet Leben
Den größten Reiz im Spiel machen aber weiterhin die Missionen aus, in denen besonders später richtig die Post abgeht. So liefert ihr euch heiße Schießereien mit Drogendealern oder anderen Bösewichten, spielt den Chauffeur oder flieht vor der Polizei. Kritiker mögen zu Recht behaupten, dass es das alles schon in den Vorgängern gab. Dennoch ist der Spielspaß im absoluten Topbereich angesiedelt, da die Einsätze hervorragend inszeniert sind und allein deshalb nie langweilig werden, auch wenn sich auf Dauer nach Schema F ablaufen. Zudem hat Rockstar endlich das Schuss-System verbessert. Wie in einem Uncharted könnt ihr nun hinter Mauern oder Mülltonnen in Deckung gehen und das Zielen geht deutlich einfacher von der Hand als in früheren Teilen. Mit etwas Geschick könnt ihr Feinden sogar zielgenau in den Arm oder ins Bein schießen.

Ebenfalls realistischer ist die Fahrphysik der Autos. Diese steuern sich nun etwas schwerfälliger um Kurven und krachen effektvoll mit richtigem Rückstoß gegen andere Fahrzeuge. Jedes Auto steuert sich zudem ein klein wenig anders, so dass ihr für eine anstehende Flucht schon die richtige Wahl treffen solltet. Gegenüber den Konsolenversionen seid ihr auf dem PC mit der Maus-/Tastatur-Steuerung sogar im Vorteil, da ihr deutlich einfacher die Kamera hinter dem Auto drehen könnt und unserem Empfinden nach die Wagen mit der Tastatur etwas direkter reagieren. Dank der Tipps während der Einsätze, die euch zudem gekonnt in die Spielmechaniken einführen, erlernt und verinnerlicht ihr die Steuerung recht schnell, wobei manche Belegung der Tastatur ein wenig unglücklich ist, so daß ihr letztlich doch mit einem Gamepad besser bedient seid. Gelegentlich erschien uns das Rennen per Pedes etwas ungenau, auch im Nahkampf schlägt der Held gerne mal ein Luftloch.

Gelegentliche Frustmomente
Ein Ärgernis aller GTA-Spiele wurde auch in Teil 4 nicht vollständig entschärft - die Rede ist vom Speichersystem. Nach wie vor dürft ihr nur in bestimmten Häusern bzw. eurem Unterschlupf den Spielstand selbst sichern. Neu ist immerhin der Autosave, nach jedem erfolgreichen Einsatz speichert das Spiel sofort euren Fortschritt, so dass die regelmäßigen Fahrten zum Unterschlupf nach jedem Auftrag wegfallen. Allerdings vermissen wir Checkpoints innerhalb der langen Missionen. Stirbt Nico kurz vor dem Ende eines Einsatzes, so müsst ihr den Auftrag von Beginn an wiederholen, oft inclusive des langen Anfahrtweges. Eine kleine Verbesserung ist wenigstens, dass ihr nach dem Scheitern auf Tastendruck sofort wieder am Start der Mission weitermachen dürft und den Kontaktmann nicht erst erneut aufsuchen müsst. Doch auch aufgrund des später hohen Schwierigkeitsgrades wird euch so mancher Einsatz an die Frustgrenze bringen.

Zeitalter der modernen Kommunikationsmittel
Damit ihr euch im Straßendschungel der Großstadt nicht verfahrt, sind alle Autos mit einem Navigationsgerät ausgerüstet. Wenn es nicht automatisch geschieht, könnt ihr auf der Übersichtskarte einfach ein Ziel festlegen und schon führt euch das Navi bequem dorthin, wobei es sich aber nicht um den schnellsten Weg handeln muss. Um in Kontakt mit Freunden oder den Arbeitgebern zu bleiben, besitzt Nico ein Handy. Aus dem Telefonbuch wählt ihr einen Gesprächspartner aus und verabredet euch mit einer eurer Freundinnen zum Essen oder bestellt ein Taxi, dass euch wenige Zeit später abholt. Wer mag, sucht sich im virtuellen Handymenü sogar einen Klingelton aus oder schaltet das Mobilgerät aus. Begebt ihr euch beispielsweise auf eine Schleichmission, kann das Klingeln des Handys nämlich durchaus eure Tarnung auffliegen lassen.

Grandioser Onlinespaß
Über das Handy startet ihr auch die erfreulichste Neuerung von GTA IV: den Mehrspielermodus. Konntet ihr euch bisher in den GTA-Städten lediglich alleine austoben, dürft ihr nun mit 32 Leuten (16 mehr als auf den Konsolen) die Stadt unsicher machen. Dafür stehen zahlreiche unterschiedliche Mehrspielermodi zur Verfügung, angefangen vom eher langweiligeren Deathmatch über witzige Rennen (auch per Heli) oder spaßige Koop-Einsätze, in denen ihr als Verbrecher vor der Polizei fliehen müsst oder selbst in die Rolle der Gesetzeshüter schlüpft. Alles in allem hat sich Rockstar für den Onlinemodus viel ausgedacht, selbst das freie Spiel mit einigen Freunden macht irre Laune, schließlich lässt sich überall in der Stadt viel Quatsch anstellen. Zum Onlinespielen müsst ihr euch allerdings beim Rockstar Social Club installieren, ein Programm, welches gleich bei der etwas nervigen Installation des Spieles mit auf eure Festplatte wandert und auch zum Start des Offlinemodus benötigt wird.

Ein Fest für Ohren und Augen
Die Optik von GTA IV ist extrem gelungen. Sicherlich mag man anführen, dass einige Bereiche und Texturen eher an die PS2-Vorgänger erinnern, doch das sind Ausnahmen. In der Regel wird euch eine hochdetaillierte Stadt präsentiert, dich sehr abwechslungsreich designt ist und mit vielen Highlights aufwartet. Erstklassig sind auch die Lichteffekte im fließenden Tageszeitenwechsel oder das Wettersystem. Soviel allerdings zur Grafik nur in der Theorie und der Konsolebvorlage, wir hatten auf unserem Testrechner mit einer ATI-Karte massive Grafikfehler und unschöne Schatten sowie Texturen, wodurch das Spiel auf dem PC deutlich schlechter aussah als beispielsweise auf der Xbox360. Wir hoffen, dass weitere Patches hier Abhilfe schaffen, inzwischen ist dankd es ersten Updates wenigstens dafür gesorgt, dass GTA 4 auf einem PC mit ATI-Karte überhaupt startet. Vollkommen perfekt ist der Sound. Die englischen Sprecher passen zu den Charakteren wie die Faust aufs Auge, aus dem Radio dröhnen Unmengen von bekannten oder weniger bekannten Songs aus diversen Radiostationen und die Effekte geben euch die volle Großstadtlärmdröhnung. Wer nicht nur Radio hören möchte, darf in seinem Appartment sogar die Glotze anschalten und durch ein witziges TV-Angebot zappen.

Grafik

75%
GTA IV sieht fantastisch aus, auch wenn andere Spiele bei den Texturen und Effekten ein wenig präsenter erscheinen, ist die Stärke von Rockstars Titel der homogene Gesamteindruck der Stadt, die sehr lebendig erscheint und in jeder Straße etwas Neues zu bieten hat. Auch die Lichteffekte, der Regen oder die Darstellung von Wasser begeistert, die Animationen der Charaktere und die Zwischensequenzen sind sowieso kinoreif. Die Framerate könnte aber ein wenig höher sein und in der Nacht ist es an manchen Stellen etwas zu dunkel. All das gilt zumindest derzeit für die PC-Version noch sehr eingeschränkt, denn viele Grafikfehler und Performanceschwankungen trüben das Gesamtbild. Hier muss Rockstar noch nachbessern!

Sound

98%
Besser geht es eigentlich nicht! Ob die Songs aus den unterschiedlichen Radiostationen, die typischen Geräusche der Großstadt oder die englische Sprachausgabe, hier passt einfach alles und ergibt die beste jemals vergebene Soundbewertung auf Gamesmania. Einziger kleiner Wermutstropfen: den kompletten Score gibt es noch nicht auf CD und durch das Lesen der deutschen Untertitel verpasst man manchmal die Action auf dem Bildschirm.

Gameplay

89%
Das Gameplay zeigt sich sowohl überraschend als auch erfreulich innovationslos, GTA bleibt GTA. Fans der Serie kennen daher fast alle Spielelemente, fühlen sich dafür aber sofort wie zu Hause. Die riesige Stadt Liberty City ist aber auch ein toller Spielplatz für die actiongeladenen Missionen und Nebenaufträge.

Motivation

96%
GTA IV ist durchgestylt ohne Ende, das beginnt schon mit dem hollywoodreifen Intro und geht in den zahlreichen Zwischensequenzen stets so weiter, selten hat ein Spiel einen derart glaubhaften Helden verkörpert. Spielerisch zieht der Titel euch sowieso ab Minute eins in seinen Bann. Einzig das nicht optimale Speichersystem und der recht hohe Schwierigkeitsgrad, führen zu kleinen Abzügen.

Multiplayer

90%
Der Spaß aus dem Solomodus wurde auch gekonnt auf den Mehrspielermodus übertragen. Nach der Einwahl über das Handy seid ihr schnell und lagfrei in einer gewünschten Partie und räumt gemeinsam mit oder gegen eure Kameraden in der City auf. Zahlreiche interessante Spielmodi stehen zur Wahl, darunter Rennen, Deathmatch oder verschiedene Mafia-Aufträge. Neu ist auf dem PC der Videoeditor, mit dem ihr Szenen aus dem Spiel aufnehmen und später bearbeiten dürft. Für alle Onlineaktivitäten müsst ihr euch dummerweise bei Rockstars Social Club registrieren.

Pro / Contra

pro

  • Absolut stimmige Spielwelt
  • Riesige Stadt
  • Fast unbegrenzte Möglichkeiten
  • Sympathischer Held
  • Spannende Zwischensequenzen
  • Actiongeladene Missionen
  • Viele Fortbewegungsmöglichkeiten
  • Verbessertes Fahrverhalten und neues Schuss-System
  • Autosave nach erfolgreichem Missionsabschluss
  • Optisch wie aus einem Guss
  • Sounduntermalung in Perfektion
  • Spaßige Mehrspielermodi
  • Steuert sich am PC etwas besser
  • Videoeditor
  • contra

  • Später recht schwer
  • Keine Checkpoints innerhalb der Missionen
  • Altbekanntes Spielgefühl (kann auch positiv sein)
  • Steuerung wirkt ein wenig überladen und stellenweise ungenau
  • Absoluter Zeitfresser
  • Kamera etwas träge
  • Viele technische Probleme, vor allem auf ATI-Karten
  • Lange Installation
  • Fazit

    85%
    GTA IV ist und bleibt mein Spiel des Jahres, daran ändert auch diese lieblose und vorschnell auf den Markt geworfene PC-Umsetzung von Rockstars Megahit nichts. Ich bin allerdings doch entsetzt, was die Entwickler auf den PC abliefern. Bis zum ersten Update konnte ich das Spiel auf keinem Testrechner starten und selbst jetzt produziert die Grafik heftige Fehler, wodurch das Spiel Lichtjahre von der optischen Präsenz der Konsolenversionen entfernt ist. Dazu kommen weitere technische Probleme mit dem Kopierschutz sowie der Gängelung um Windows Live und den Social Club. Das alles hätte Rockstar wahrlich nicht nötig gehabt und führt beim derzeitigen Stand zu einer Abwertung der PC-Version. Wir empfehlen euch ganz klar, GTA IV auf PS3 oder Xbox360 zu zocken, die wenigen Neuerungen wie der Videoeditor wiegen die vielen technischen Probleme bei weitem nicht auf.

    Kommentare zu Grand Theft Auto IV

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