Gothic 2

Lebendige Spielwelt sucht aufgeweckten Helden!

Orks und Goblins gehören zweifelsohne zu den Gestalten, denen man am liebsten gut gerüstet mit einem Schwert in der Hand begegnet. Tausende begeisterte Spieler stürzen sich täglich in neue virtuelle Abenteuer, um bösen Schergen Einhalt zu gebieten. Mit Gothic 2 veröffentlicht JoWood jetzt den Nachfolger des im letzten Jahr sehr erfolgreichen Rollenspiels.

Ob die beiden Knochenmänner uns bemerken werden?
Wir erinnern uns: Im ersten Teil wurde unser Held nach dem Endkampf gegen den Schläfer unter etlichen herabstürzenden Steinen begraben. Das Böse war besiegt, die Barriere gefallen. Ende gut alles gut? Mitnichten! Vor den Toren der Stadt Khorinis sammeln sich ganze Horden von Orks, die von mächtigen Drachen angeführt sein sollen. Der Magier Xardas erweckt eure Lebensgeister und befreit euch aus eurer misslichen Lage. Doch dummerweise habt ihr unter den Schuttmassen alle eure Fähigkeiten, sowie sämtliche Ausrüstungsgegenstände verloren. Ihr fangt also sozusagen wieder bei "Null" an. Erst nach einigen Levelaufstiegen und einigen Stunden Spielzeit entscheidet ihr euch für eine von drei möglichen Klassen. So tretet ihr als Magier, Kämpfer oder Söldner den Bösewichten schließlich entgegen.

Dieser nette Herr ist nicht gut auf uns zu sprechen…
Doch zunächst starten wir als "Schwächling" in die Welt und können anfangs gerade noch einen Dolch oder Knüppel führen, um uns garstige Blutfliegen und bissige Wölfe vom Leib zu halten. Wer den ersten Teil nicht gespielt hat, wird schnell merken, dass die Kämpfe gegen Banditen oder streunende Goblins nicht einfach sind. Oft liegt man am Boden und flucht über die fummelige Steuerung, an die man sich zunächst gewöhnen muss. Oft genug arten die Gefechte in wilde Klickorgien aus, gerade Neulinge könnten Probleme haben. Gottlob lassen sich diesmal die Tasten frei konfigurieren, somit fällt die Eingewöhnungsphase deutlich kürzer aus. Ein Tutorial wäre hier aber für viele Einsteiger von großem Nutzen gewesen, doch diese Option sucht man vergeblich. Verbessert wurde das Handelsmenü, in dem ihr jetzt wesentlich komfortabler beim örtlichen Händler eures Vertrauens an neue Waren kommt, oder erbeutete Gegenstände in bare Münzen umwandelt.


Ein kleines Bad wäre jetzt keine schlechte Idee.
Wunderschön mit kleinen Makeln
Bei kaum einem anderen Rollenspiel fühlt man sich derart in eine lebendige Welt versetzt, wie bei Gothic 2. Zwar bietet die überarbeitete Grafik-Engine des Vorgängers keinen neuzeitlichen Augenschmaus und kann sich mit den Engines von NWN, Dungeon Siege oder Morrowind nicht messen, doch sehr viele liebevolle Details und tolle Designideen der Programmierer machen dies locker wieder wett. Bei einer Sichtweite von gut einer halben Meile erhaschen wir Blicke auf wunderschöne Landschaften, wie Schluchten, dicht bewachsene Wälder oder schneebedeckte Hügel. Die herrlich detaillierten Fachwerkgebäude in der Stadt sehen äußerst glaubwürdig aus und sorgen für manch herunterklappende Kinnlade.

Mit Magie halten wir uns diese Gegner vom Leibe.
Nachteilig wirkte sich die nur bedingt einstellbare Kamerapositionierung in Kämpfen aus. So kommt es vor, dass Äste, Wurzeln oder Steine unsere Sicht behindern. Die Umschaltung in die Ego-Perspektive bringt nur in den Fällen etwas, in der uns keine Monster nach dem Leben trachten, da in dieser Spielansicht kein Kämpfen möglich ist. Hier hätten sich die Macher von Piranha Bytes die Lösung aus Neverwinter Nights aneignen sollen, in der die Bäume und andere Objekte transparent dargestellt werden, wenn man sich nähert. Die Animationen unseres tapferen Recken hätten mehr Feinschliff bekommen sollen. Ein wenig hüftsteif wirkt der junge Mann und passt so gar nicht zu den regelrecht anmutig wirkenden Bewegungen seiner Widersacher, wie etwa die von einem Ork. Selbst eine niedere, große Ratte bewegt sich anmutiger als unser Held. Nun, vielleicht hat er einfach zu lange unter dem Steinhaufen gelegen und müsste eigentlich dringend zum Rückentherapeuten?

Am Hafen bewundern wir die schöne Architektur der Häuser.
Wer nur auf den Wegen im Landesinneren spazieren geht, verpasst so einiges. Nicht nur Heilkräuter, Tiere (deren Felle gutes Geld bringen) oder versteckte Schätze warten auf eure Entdeckung. Auch das eine oder andere gefährlichere Monster treibt sein Unwesen in den Tiefen der Wälder und Räuberbanden warten nur darauf, euren Geldbeutel zu entleeren. Die Wildnis ist gefährlich und wird für so manchen unvorsichtigen Abenteurer schnell zur Todesfalle. Häufiges Speichern ist ratsam, speziell nach absolvierten Kämpfen. Der Schwierigkeitsgrad steigt mit zunehmender Spieldauer. Ab dem dritten von sechs Kapiteln sind einige der Kämpfe äußerst schwer geraten.


Diesen kräftigen Ork haben wir zur Stadtwache gelockt…
Immer feste drauf?
In den Kämpfen beweist ihr euer Geschick im Umgang mit Schwertern, Äxten, Bögen oder gegebenenfalls auch mit einer Portion Magie. Da einige der Gegner taktisch vorgehen, ist blinde Kampfwut selten angesagt. Die lästigen Blutfliegen schwirren um euch herum und attackieren abwechselnd, Goblins kreisen euch ein und sorgen für einen Drehwurm. Mächtige Kampfzauber halten euch so manchen Gegner vom Leibe, auch Fernkampfwaffen sind sehr nützlich, sofern man genügend Munition im Köcher hat. Wer sich auf den Nahkampf spezialisieren möchte, wird über kurz oder lang einsehen, dass es wenig Sinn macht, auf Gegnerhorden loszustürmen. Glücklicherweise lassen sich manche Monster von ihrer Truppe weglocken und stellen sich dem Helden allein zum Kampf. Ratsam sind Schlagkombinationen mit Ausfällen, mit denen ihr euch speziell im Kampf gegen zwei oder mehr Gegner etwas Platz verschafft, da die Gegner leicht zurückweichen, um nicht niedergemetzelt zu werden.

In dieser Kathedrale scheint keine Gefahr zu drohen.
Bereits im Vorgänger wusste die Lebendigkeit der Bewohner zu gefallen. Auch in Gothic 2 wird das Leben der Einwohner facettenreich dargestellt. Der Schmied fertigt am Amboss Waffen für die Armee des Königs, nachts sieht man ihn in seinem Bett schlafen. Am Marktstand unterhalten sich zwei schwatzhafte Bürgerinnen, während ein Händler sich an der Stadtmauer erleichtert. Die Bauern auf den Feldern sind mit der Ernte beschäftigt oder vertreiben herumstreunende Wölfe. Wer nach einem anstrengenden Abenteuer Entspannung sucht, findet bei den Damen im schicken Etablissement für 50 Goldstücke eine besondere Art der Erholung. Am Hafen beobachten wir die Paladine bei einigen Waffenübungen am offenen Feuer und genießen anschließend den Sternenhimmel der gerade angebrochenen Nacht. Entweder suchen wir uns jetzt eine Bleibe, um ein wenig auszuruhen, oder stürzen wir uns noch schnell in ein weiteres Wagnis? Egal wie ihr euch entscheiden mögt, die Welt von Gothic 2 ist zu jeder Tageszeit faszinierend und packend.
 


Grafik

88%
Tag- und Nachtwechsel mit schönen Lichteffekten sorgen für viel Atmosphäre im Spiel. Die aufgemotzte Engine aus dem Vorgänger sorgt mit einer höheren Texturdichte und vielen liebevollen Kleinigkeiten dafür, dass die Spielwelt lebendig und authentisch wirkt. Ob sich Gräser im Wind wiegen oder ein Lagerfeuer schön animiert wurde, alles wirkt sehr glaubhaft. Die Animationen des Helden hätten mehr Feinschliff nötig gehabt, etwas hölzern stolpert unser Recke in so manchen Kampf. Einige Clippingfehler trüben den ansonsten sehr guten Gesamteindruck ein wenig, fallen aber im Spielgeschehen nicht wirklich störend auf.

Sound

88%
Professionelle Sprecher wurden von Piranha Bytes verpflichtet, allerdings treten diese dann in mehreren Rollen auf. Der Geräuschpegel einer Stadt, die Klänge eines Waldes und bedrohliche Schreie heranstürmender Orks wirken allesamt überzeugend.

Gameplay

88%
Die Steuerung des Charakters ist umständlich, die Kombination aus Maus und Tastatur ist trotz der frei konfigurierbaren Tasten nicht besonders gut gelungen. Nach einer etwas längeren Eingewöhnungsphase vergisst man den anfänglichen Ärger aber dann doch, kämpft ganz automatisch gegen die Finsterlinge und kassiert Erfahrungspunkte.

Motivation

88%
Sich in dieser Spielwelt zu bewegen, ist mehr als nur ein kurzweiliger Spaß. Nach geringer Zeit schon taucht man ein in die Fantasywelt und ist mittendrin im Abenteuer. Wer Zeit und Lust mitbringt, sollte auch mal den Stadtbewohnern bei ihrem Tagesablauf zusehen. Die Ausflüge in die Wälder sind mehr als nur ein netter Spaziergang. Hinter jeder Ecke lauert der Tod - aber eben auch das Abenteuer. Da die KI der Gegner fordernd bis sehr schwer ist, dürften speziell Freunde des Genres, sowie Besitzer des Vorgängers voll auf ihre Kosten kommen.

Systemvoraussetzungen

Empfohlen: ab Pentium CPU 1,2 GHz, RAM: mind. 256 MB, Betriebssystem: Windows 98/ME/2000/XP, HD-Platz: mind. MB, Grafikkarte: mind. 32 MB RAM, DirectX 8.1-kompatibel

Pro / Contra

pro

Wundervolle glaubhafte Spielwelt, abwechslungsreiche Quests, erneutes Durchspielen gut möglich, faszinierende Landschaften, Tag- und Nachtwechsel, sehr gute KI bei Gegnern und Bewohnern der Spielwelt.

contra

Hohe Hardware-Anforderungen, schwerer Spieleinsteig, streckenweise unübersichtliche Kämpfe, sehr hoher Schwierigkeitsgrad in einigen Situationen und Aufträgen, Steuerung des Helden umständlich.

Fazit

%
PC anschalten, Licht aus, eine Kerze anzünden, Gothic 2 starten - fertig ist der perfekte winterliche Rollenspielabend. Wer nicht online mit anderen Spielern durch Fantasyreiche streifen möchte, sondern sich ganz alleine auf die Suche nach Abenteuer, Ruhm und Gold begeben will, kommt nur schwer um die Anschaffung von Gothic 2 herum. Die glaubhafte, facettenreiche Spielwelt macht die kleinen Schwächen bei Grafik, Steuerung und Schwierigkeitsgrad wieder wett.

Kommentare zu Gothic 2

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