Was lange währt wird endlich gut?
Nach einigen Verschiebungen des ursprünglich geplanten Release-Termins hatten wir schon ein wenig Angst, dass Geist tatsächlich eine geisterhafte Erscheinung bleiben würde. Als das Testmuster schließlich im Postfach lag, waren wir natürlich umso gespannter. Wird sich die Mischung aus Ego-Shooter und Action-Adventure mit besonderem Twist eignen, um aus der Masse der teilweise tristen Ballerei hervorzustechen?
Volks mächtige Maschinerie lässt nichts Gutes ahnen
Zur Einführung in das Spiel ist erstmal knallharte Action angesagt. Zusammen mit einer Spezialeinheit infiltriert ihr die Forschungseinrichtungen der Volks Corporation. „Ihr“ ist in diesem Fall John Raimi, ein Spezialist für biologische und chemische Kampfstoffe. Im Auftrag der Seuchenschutz-Behörde CDC (Center for Disease and Control) sollt ihr den in Südfrankreich gelegenen Bunkerkomplex genauer unter die Lupe nehmen. Ein eingeschleuster Ermittler hatte eine Warnmeldung abgesetzt und muss nun vom Firmengelände gerettet werden. Kurz darauf übernehmt ihr auch schon selbst das Kommando über Raimi und hetzt mit der Antiterror-Truppe CR-2 durch das unterirdische Gewirr von Gängen.
Seelenfänger Alles scheint wunderbar zu laufen und ihr könnt erfolgreich die Beweise auf euren Taschencomputer herunterladen. – Volks arbeitet tatsächlich an äußerst zweifelhaften und gefährlichen Projekten der Zellmutation. Gerade als sich die kleine Gesellschaft wieder auf den Rückweg machen will, beginnen die Ereignisse allerdings schrecklich aus dem Ruder zu laufen. Das erste Opfer aus dem Team wird von einem Monster vor euren Augen regelrecht zerrissen. Kurz darauf erschießt ein, auf seltsame Weise besessenes, Mitglied der CR-2 Einheit die übrigen Kameraden - inklusive euch selbst. Anschließend zeigt eine Reihe von Zwischensequenzen, wie die Volks Corporation euren Körper von der Seele trennt, um diese für weitere Experimente zu verwenden. Ein weiterer grausamer Plan des Konzerns wird somit enthüllt. Man will tatsächlich aus den so gewonnenen Seelen den ultimativen Spektralkrieger schaffen!
Fiese Kloake - fieser Critter
Doch auch bei der Volks Corporation läuft nicht alles nach Drehbuch. Denn schon kurz nachdem ihr als körperlose Seele gefangen werdet, erscheint der Geist eines kleinen Mädchens. Ihr Name ist Gigi und trotz ihrer kindlichen Erscheinung, kennt sie sich bestens in der Geisterwelt aus. Sie befreit euch und erklärt gleich die Grundlagen des „Geister Daseins“. Ihr erfahrt zum Beispiel, dass ihr von Objekten sowie Personen Besitz ergreifen könnt. Oder dass eurem Dasein auch Limits gesetzt sind. So müsst ihr in der Geisterform immer wieder Lebensenergie von Pflanzen abzapfen, oder in ein Objekt, bzw. eine Person schlüpfen. Tut ihr das nicht, sinkt die Lebensenergie eurer Seele beständig und ihr seid dem Untergang geweiht. Außerdem könnt ihr Personen nur unter Kontrolle bringen, wenn ihr sie vorher ordentlich durcheinander gebracht habt. – Was ihr als Geist natürlich am Besten durch einen ordentlichen Schreckmoment erledigt. Sind die Opfer dann schwach und verwirrt, könnt ihr übernehmen und habt das Sagen im fremden Körper.
Seelenwanderer Ab dem Zeitpunkt eures Todes erwacht das Spiel also richtig zum Leben. Es liegt an euch, das Team zu retten (und möglichst sogar wieder in euren Körper zurück zu gelangen?). Die Entwickler-Crew hat sich dabei reichlich Mühe gegeben, den Aspekt des Besitz Ergreifens hervorzuheben. Das wirkt sich auch auf die Puzzles und viele andere Bereiche des Spieles aus. Um nur zwei Beispiele zu nennen, müsst ihr während eines Feuergefechtes die Körper der verschiedenen Wachen kontrollieren, um sie aufeinander feuern zu lassen. Das hat zur Folge, dass innerhalb kürzester Zeit Panik ausbricht und die Schergen sich gegenseitig fertig machen. Manchmal besteht das Rätsel darin, wie man Besitz von einer Person ergreifen kann. Dann ist meist eine ganze Kette von Umständen nötig, bis die betreffende Person verängstigt genug ist, um allen Widerstand fallen zu lassen. Insgesamt gibt es also weit mehr zu tun als bei „Otto-Normal-Shooter“, auch wenn immer wieder Passagen mit Feuergefechten das Spiel durchziehen.
Damit euch auch nach dem Single-Player-Spiel nicht langweilig wird, stehen die Mehrspieler-Modi „Besessenheits-Deathmatch“, „Nimm den Wirt gefangen“ und „Jagd“ zur Verfügung. Ihr könnt zwar leider nicht im Netzwerk - oder gar online - gegeneinander antreten, doch dafür stehen für die verschiedenen Spielarten computergesteuerte Mitspieler als Verstärkung parat.
78%
Das berühmt, berüchtigte zweischneidige Schwert: An manchen Stellen erscheint Geist äußerst detailliert und kann mit Texturen und Lichteffekten glänzen, die eindeutig über dem Durchschnitt liegen. An anderen Stellen wurde scheinbar unsauber gearbeitet, denn manche Abschnitte lassen die Grafik fast alt und irgendwie nicht mehr ganz zeitgemäß erscheinen. Zudem kommen die Ruckler auch immer wieder während der Zwischensequenzen vor. Diese sind zwar in Spielgrafik gehalten und meist sehr nett anzusehen, doch die Aussetzer stören wenn man gerade genau erfahren will, was Sache ist.
79%
Die Dialoge wurden nicht übersetzt, wie bei den meisten Nintendo-Spielen müsst ihr euch mit einem Untertitel zufrieden geben. Für eure Mitstreiter wurden leider sehr wenige Sprachsamples zur Verfügung gestellt. Ständig gleiche Kommentare gingen uns in Folge dessen nach einiger Zeit etwas auf die Nerven. Wie gut, dass im Gegenzug recht stimmungsvolle Hintergrund-Musik geboten wird. An den Spezialeffekten gibt es nichts zu meckern. Mitunter dank Dolby Pro Logic sind alle Sounds klar zu orten und haben einen satten Klang.
85%
Wer einen reinen Ego-Shooter spielen wollte, könnte enttäuscht sein. Denn gerade dieser Teil ist nicht unbedingt die Schokoladenseite von Geist. Dafür ist die Steuerung einfach zu ungenau. Und als ob die Entwickler diesen Spaß tötenden Umstand schon selbst erahnt hätten, sind die Trefferzonen ungewöhnlich groß gestaltet. Somit macht das Zielen - und natürlich Treffen - keine wirkliche Freude. Zum Glück gestaltet sich das Spiel rund um das Besitz ergreifen wesentlich interessanter und kann mit vielen Twists und Überraschungen aufwarten. Da dieser Teil aber überwiegt und zudem abwechslungsreiche Rätsel geboten werden, fallen die Mängel nicht zu sehr ins Gewicht.
83%
Die Anfänglich fast etwas gewöhnliche Geschichte, entwickelt sich bald zum packenden Thriller rund um die Volks Corp. und ihre dunklen Machenschaften. Kein Zweifel, man will erfahren was weiter passiert. Die Endgegner-Kämpfe sind in der Regel recht einfallsreich gestaltet und fordern euch einiges ab. Allerdings sind auch einige wenige dabei, bei denen ihr lediglich durch einen schnellen und vor allem ausdauernden Abzugsfinger bestehen könnt. Ein Umstand, der nicht jedermanns Sache ist. Wer sich Zeit nimmt und die Level gründlich erforscht, wird mit der Dauer der Einzelspieler-Kampagne zufrieden sein. Wer „stur durchrennt“, könnte enttäuscht werden, da die Geschichte dann relativ schnell durchgespielt ist. Die Mehrspieler-Modi konnten uns begeistern, auch wenn wieder einmal kein LAN- oder Online-Support geboten wird.
82%
Als eingefleischter Fan aller Ego-Shooter war mein erster Eindruck eher enttäuscht. Eine Steuerung, die kaum geeignet war, um genau zu zielen. Ruckler, schon während der ersten Zwischensequenzen und dann auch noch im Spiel, mitten im Feuergefecht. Zum Glück verfliegen diese Eindrücke, sobald eure Aufmerksamkeit auf das großartig umgesetzte Feature des Besitz Ergreifens von Personen und Gegenständen gelenkt wird. Somit entwickelt sich mit dem Lauf der Dinge ein recht ansehnliches Action-Adventure, das auf erwachsenes Publikum ausgerichtet ist.
Kommentare zu Geist