Disaster: Day of Crisis

Der härteste Tag deines Lebens!

Jaja, der Coregamer hat es mit der Wii nicht leicht. In letzter Zeit wurde Nintendos neueste Wunderkonsole immer mehr durch anspruchslose Casual Games und einer schwachen Third Party-Unterstützung geprägt. Hier und da blitzten vielleicht grandiose Perlen auf, aber im Grunde befinden sich die Nintendo Fanboys auf einer nicht endenden Durststrecke. Nun sollen brachiale Naturkatastrophen, erbarmungslose Terroristen und waschechte Helden für frischen Wind in der Nintendowüste sorgen. Nur was verbirgt sich hinter dem epischen Namen Disaster: Day of Crisis. Kommt Big N wieder zu alter Stärke oder geht der Rüttel-Schüttel-Wahn weiter?

Ray ist das Paradebeispiel eines Musteramerikaners. Ein Ex - Marine, der beim Katastrophenschutz arbeitet und hilflosen Bürgern das Leben rettet. Aber auch Helden haben einmal einen beschissenen Tag. Ihr wisst schon, so einen Tag, an dem argwöhnische Terroristen mit Atomwaffen herumspielen, Naturkatastrophen die Stadt verwüsten und man der Schwester des besten verstorbenen Freundes beweisen muss, nicht der Killer ihres Bruders zu sein. Das hat doch jeder schon mal erlebt, vielleicht nicht im realen Leben, aber dafür in bekloppten B-Movies der Marke Steven Segal & Chuck Norris. Disaster: Day of Crisis kommt mit genau dem gleichen deftigen Flair von Pathos, haarsträubender Handlung und ausgelutschten Klischees daher. Und ehrlich gesagt tut das richtig gut. Mal wieder eine sinnfreie Handlung zu erleben, die sich jede Sekunde bierernst nimmt, ist wunderbar trashig. Durchgehend spürt man den Geist der 80er, 90er Jahre Actionstreifen, welcher einen unverwechselbaren Retro-Charme versprüht.

One hell of a day
So schnauft, schwitzt und kämpft ihr euch durch die Welt von Day of Crisis. Mal per pedes, mal mit Karre, mal unter Wasser. Prinzipiell lässt sich das Spiel in 3 Parts unterteilen. Hauptsächlich lauft ihr durch zerstörte Städte, rettet ein paar Passanten vor dem sicheren Tod und folgt dem streng linearen Handlungsverlauf. Dabei gilt es diverse Minispiele, wie auch mal mehr mal weniger anspruchsvolle Sprungpassagen zu bewältigen. Das Retten der Passanten fällt recht abwechslungsreich aus. Jeder von ihnen hat verschiedene Bedürfnisse. Entweder sie benötigen nur ein Medikit, oder ihr müsst sie von einem gefährlichen Platz in Sicherheit bringen. Bei ganz dramatischen Szenen beweist ihr euch sogar als Quasi-Rettungsschwimmer und führt eine Herzmassage samt Mund zu Mund Beatmung durch. Hierbei presst ihr im richtigen Takt die Fernbedienung hinunter und drückt den A - Knopf im perfekten Timing. Neben dem barmherzigen Samariter, mimt ihr auch einen waschechten Actionstar. Dabei springt das Spiel in die Egoperspektive und ihr ballert in guter Light-Gun-Shooter Manier alles nieder, was sich bewegt. Die ordentliche Auswahl von 3 Knarren sorgt dann auch noch für ein bisschen Abwechslung und einer kleinen Priese Taktik. Der Handlungsverlauf der Gegner mag recht schnell durchschaut sein, aber trotzdem fordern euch die Actionpassagen mit einem angenehmen Schwierigkeitsgrad. Zu guter Letzt meistert ihr diverse Fahrsequenzen. Hierbei stöpselt ihr den Nunchuck ab und haltet die Remote quer. Es macht vielleicht Laune durch die Gegend zu tuckern, aber nur selten kommt ein richtiges Geschwindigkeitsgefühl zustande. Ebenfalls ist die Herumkurverei einen Tick zu einfach ausgefallen, dadurch habt ihr nur selten das Gefühl einer richtigen Bedrohung ausgesetzt zu sein.

Mal hier, mal dort
Zugegeben, absolut gelungen ist keiner der drei Parts. Es gibt einfach zu viele Schnitzer in der Durchführung. Die Rettungspassagen sind geplagt von einer mürrischen Kamera, samt hackeligen Steuerung. Bei den Feuergefechten sorgt der monotone Ablauf für ein bisschen Ernüchterung. Die Fahrsequenzen steuern sich recht schwammig und sind, wie oben erwähnt, ein bisschen zu leicht. Aber schlussendlich fallen diese, auf den ersten Blick doch recht gravierenden Kritikpunkte, nie wirklich ins Gewicht. Dafür bietet euch Disaster:Day of Crysis einfach viel zu viel Abwechslung. Gerade noch um sein Leben gerannt, stürzt sich Ray in ein weiteres Feuergefecht, nur um 5 Minuten danach mit dem Auto vor einer gewaltigen Tsunamiwelle zu flüchten. Dank des rasanten Erzähltempos kommt niemals Langeweile auf. Ihr hetzt von einer Katastrophe zur Nächsten. Bei diesem explosiven Genre-Cocktail sorgt der ständige Schauplatzwechsel auch noch für den richtigen Pep.

Tief durchatmen
Ein Held zu sein ist kein Kinderspiel. Wenn durchgehend fremde Leute nach Hilfe schreien und fiese Terroristen einem das Leben schwer machen, kommt man schon mal aus der Puste. Hierbei solltet ihr immer ein Auge auf die Ausdaueranzeige werfen. Denn sobald sie den Nullpunkt erreicht hat, wird durchgehend an eurer Gesundheit genagt. Aber keine Panik, durch heftiges Schütteln der Remote könnt ihr Fässer und Schachteln zerschlagen, in denen sich meistens Lebensmittel befinden, die euch wieder neue Energie geben. Ebenfalls solltet ihr darauf achten nicht zu lange in verrauchten Gebieten zu bleiben. Denn je länger ihr die verpestete Luft einatmet, desto mehr wird eure Lunge in Mitleidenschaft gezogen. Dann heißt es so schnell wie Möglich ein sauberes Plätzchen suchen und mit dem Z Button die Lungen reinigen. Ansonsten lässt sich Day of Crisis recht gewohnt steuern. Bei den Light Gun Abschnitten, zielt ihr mit der Remote auf den Fernseher, ladet durch schütteln des Nunchucks nach, und klickt euch mit dem Steuerkreuz durch das Waffenarsenal. Falls es durch die Action mal zu brenzlig wird, könnt ihr mit dem Z Button in Deckung gehen, um eure Angriffsstrategie zu überarbeiten. Hier und da ploppen manchmal ein paar Quicktime Events auf, bei denen ihr die Wii Fernbedienung im passenden Moment in die richtige Richtung schnalzt. Durch rütteln des Nunchucks und der Remote müsst ihr bei diversen Passagen vor den Katastrophen um euer Leben laufen. Die gleiche Methode dient auch zum Löschen eures Körpers, falls der mal wieder Feuer gefangen hat. Jedes gerettete Leben bringt euch Heldenpunkte, mit denen ihr eure Charakterwerte aufleveln und das Waffenarsenal erweitern könnt. Diese Rollenspielzüge sind vielleicht nicht wirklich komplex, aber eine nette Erweiterung.

Zwischen Licht und Schatten
Eine überraschend wuchtige Präsentation rundet den ordentlichen Gesamteindruck ab. Das wunderbare Intro zieht euch schon von Anfang an in den Strudel der Naturkatastrophen. Die pathetische Musik und das überladene Drehbuch, sorgen dann noch für einen, auf der Wii Plattform, recht unverbrauchten Charakter. Die Sprachausgabe ist stimmig, wobei man leider auf eine deutsche Synchronisation vollkommen verzichtet hat. Grafisch befindet sich Ray im souveränen Mittelmaß. Die Charakteranimationen eures Helden überzeugen durch die Bank, wobei die restliche Bevölkerung detaillos ausgefallen ist. Die brachialen Naturkatastrophen wurden dank passenden Cut Scenes ordentlich in Szene gesetzt. Das täuscht aber alles nicht über die matschige Umgebungsstruktur und das nervende Kantenflimmern hinweg.

Grafik

75%
Das nervende Kantenflimmern, sowie die matschigen Umgebungsstrukturen schmälern den Gesamteindruck der ansonsten ganz ordentlichen Präsentation. Ray wirkt wunderbar detailreich und die Naturkatastrophen wurden klasse in Szene gesetzt. Die Passanten, welchen ihr das Leben rettet, wandern am Grad zwischen ganz nett und schlechtem Gamecube Niveau entlang.

Sound

83%
Die fulminante Soundkulisse passt perfekt zu herrlich bekloppten Handlung. Der stimmige Soundtrack versprüht schon beim eingängigen Intro seinen unverwechselbaren Charme. Die Sprecher machen ihren Job ebenfalls souverän, wobei man mal wieder eine deutsche Sprachausgabe vermisst.

Gameplay

84%
Langeweile? Fehlanzeige! Bei Day of Crisis kommt ihr nie zu Ruhe. Der rasante Wechsel des Gameplayes hält euch durchgehend an der Stange und lässt euch so gut wie nie durchatmen. Da fallen gröbere Schnitzer bei der Steuerung fast kaum ins Gewicht. So seht ihr recht bald über die schwammigen Fahrsequenzen, sowie der bockigen Kamera hinweg. Dennoch, ein bisschen Feintuning hätte auch Ray gut getan.

Motivation

80%
Die gut 10 Stunden Spielzeit vergehen wie Im Flug. Danach bleibt euch nur mehr ein noch härterer Schwierigkeitsgrad, sowie diverse Schießstände, bei denen ihr neue Waffen frei spielen könnt. Der Wiederspielwert hält sich somit in Grenzen, dafür wird man aber die gesamte Spielzeit wunderbar unterhalten.

Pro / Contra

pro

  • Tolle Präsentation
  • Abwechslungsreiches Gameplay
  • Ordentliche Charakteranimationen
  • Gelungene Soundkulisse
  • Herrlich bescheuerte Story
  • Grandiose Naturkatastrophen
  • contra

  • Matschige Umgebungsstrukturen
  • Nerviges Kantenfilmmern
  • Bockige Kamera
  • Schwammige Fahrzeugsteuerung
  • Stellenweise zu einfach
  • Fazit

    81%
    Disaster: Day of Crisis ist endlich mal wieder ein Wii Spiel, das die Vorteile der Konsole gekonnt ausnutzt, ohne dabei auf anspruchslose Rüttel-Schüttel Einlagen zu setzen. Ein exklusiver Action Titel, welcher dank seines rasanten Erzähltempos niemals ins Stocken gerät oder in der Belanglosigkeit verschwindet. Die Schieß-, Rettungs- und Autopassagen wechseln immer dann durch, bevor man sich an einem Szenario satt gesehen hat. Der ganze Spielverlauf ist enorm abwechslungsreich ausgefallen und lässt so gut wie nie Langeweile aufkommen. Dafür hapert es ein bisschen bei der Durchführung. So steuert sich Ray nicht immer ideal. Die Kamera hakt nach und manchmal gibt es auch ein paar Probleme bei der Bewegungserkennung. Ebenfalls wirken die Fahrsequenzen deplatziert, kaum fordernd hinterlassen sie, dank der bockigen Steuerung, lediglich ein müdes Lächeln.
    Sei es drum, jeder der nur Ansatzweise eine Affinität zur abwechslungsreicher Action hat, macht mit Disaster: Day of Crisis nichts falsch. Es ist vielleicht kein perfektes Spiel, aber ideal um es endlich mal wieder auf der Wii krachen zu lassen.

    Kommentare zu Disaster: Day of Crisis

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