Call of Duty 2

Zurück an die Front

Der wohl beste Weltkriegs-Shooter der vergangenen Jahre bekommt endlich seine Fortsetzung. In Call of Duty 2 kämpft man sich erneut als russischer, britischer und amerikanischer Soldat durch die Schlachtfelder des 2. Weltkrieges. Dabei wird nicht nur im alten Europa sondern neuerdings auch in der nordafrikanischen Wüste um den Sieg gerungen.

Langweilige Tagebucheinträge erzählen die kaum vorhandene Story.
Wie schon im Vorgänger und dessen erstklassigem Addon gibt es auch in Call of Duty 2 keine echte Story. Kleine Videoschnipsel aus alten Wochenschaubeiträgen sollen den aktuellen Kriegsverlauf schildern. Worum es in der nächsten Mission geht erklären dagegen in groben Zügen die Tagebucheinträge der Soldaten und der Funk während des Einsatzes. Somit wird die Kriegsaction außerhalb der Missionen nur äußerst dürftig präsentiert, es fehlt einfach an Zwischensequenzen in Spielgrafik, die ein wenig auf die Soldaten und das Geschehen eingehen. So entwickelt man anders als etwa in Brother in Arms keinerlei enge Beziehung zum eigenen Charakter, wie die komplette Kompanie ist alles austauschbar. Den absoluten Tiefpunkt der Präsentation stellt ein Textfenster dar, das erscheint, sobald man eine Kampagne abgeschlossen hat. Eben noch kämpfen wir im russischen Winter erbittert um einen Bahnhof in Moskau, haben den letzten Feind erledigt, schon finden wir uns im Menü wieder, wo uns eine lieblose Texteinblendung darüber aufklärt, dass die russisches Kampagne nun abgeschlossen ist.

Malerischer Sonnenuntergang vor der Kulisse einer heiß umkämpfen Stadt.
Abgesehen von der schwachen Präsentation des Drumherums ist die Inszenierung der vielen Schlachten natürlich wieder erstklassig. Ist man erstmal im Einsatz vergisst man die fehlende Story recht schnell und widmet sich ganz den abwechslungsreichen Einsatzzielen. Wie im Vorgänger gibt es keine ruhige Minute, ständig passiert irgendwas auf dem Bildschirm. Dank der neuen Grafik-Engine sehen die Schlachtfelder nun noch beeindruckender aus, absolut herausragend sind die Lichteffekte und die Darstellung von Rauch, aber auch in kleineren Details wie der Kleidung der Soldaten oder den detaillierten Fahrzeugmodellen lassen sich zahlreiche DirectX 9-Effekte entdecken, die freilich eine schnelle Grafikkarte voraussetzen. Im ebenfalls möglichen DirectX 7-Modus sieht das Spiel dagegen nicht viel besser als der erste Teil aus.

Im verschneiten Moskau geht es zwischen Russen und Deutschen heiß her.
Um die tolle Grafikkulisse vollauf genießen zu können, wurde auf fast alle Bildschirmanzeigen verzichtet. Missionsziele und Munitionsvorrat werden so etwa nur auf Knopfdruck angezeigt, auf eine Angabe der Lebenspunkte wurde vollends verzichtet. Das hat dann auch große Auswirkungen auf das Gameplay, denn auch jegliche Verbandskästen, um sich selbst zu heilen, wurden gestrichen. Dafür hält der eigene Soldat nun deutlich mehr Treffer aus und übersteht einige Sekunden in vollem Feindbeschuss problemlos. Sobald allerdings die Bildschirmrandbereiche rot eingefärbt werden, sollte man schnellstmöglich einen ruhigen Ort aufsuchen und dort wenige Sekunden verweilen, schon ist der Charakter wieder voll einsatzfähig. Zuweilen spielt sich Call of Duty 2 deshalb so, als ob man den God-Modus aktiviert hätte, das befriedigende Gefühl, mit den letzten Lebenspunkten noch einen feindlichen Bunker ausgeschaltet zu haben, kann das Spiel daher nicht bieten. Ebenfalls ungewöhnlich ist, dass auf eine Quicksave-Option verzichtet wurde. Das Spiel speichert regelmäßig automatisch, Frust kommt dadurch kaum auf, lediglich in einer Mission lagen die Speicherpunkte etwas zu weit auseinander.

Die ersten Einsätze in Call of Duty 2 erlebt man als russischer Soldat im verschneiten Moskau. Bereits als Vorgeschmack auf spätere Gefechte erwarten einen hier wahre Massenschlachten in den Straßenzügen und Plätzen der zerstörten Stadt. Nach dem spannenden Auftakt im Osten Europas geht es als amerikanischer Soldat in die Wüste Nordafrikas. Erbitterte Schlachten um ein kleines Dorf, der Sturm auf eine Kleinstadt und eine furiose Panzerfahrt stehen auf dem Reiseprogramm. Leider sind die Einsätze in Afrika zu schnell vorbei, was hier an Action und Abwechslungsreichtum geboten wird, stellt alles bisher da gewesene in den Schatten. Auch grafisch bieten die Wüstenlandschaften mit hübschen Sonnenaufgängen und Hitzeflimmern beeindruckende Rahmenbedingungen.

Die Charaktermodelle sind top, beachtenswert auch die detaillierte Kleidung.
Nach dem vorläufigen Höhepunkt in Afrika verschlägt es einen als britischer Soldat in die Normandie, es warten kleine französische Dörfer und grüne Landschaften, also alles, was man in Brother in Arms zur Genüge schon gesehen hat. Auch die Einsatzziele sind nun längst nicht mehr so packend wie in Afrika, regelmäßig muss man mehrere Minuten einen Bauernhof oder eine kleine Landstraße halten, bevor in letzter Sekunde dann wie aus dem nichts Verstärkung anrollt. Keine Frage, auch die Einsätze in Frankreich und kurze Zeit später in Deutschland bieten unglaubliche Kriegs-Action am Fließband, doch gegenüber den ersten Spielstunden baut Call of Duty 2 in Sachen Abwechslung sowohl grafisch wie auch spielerisch deutlich ab. Spätestens wenn man zum fünften Mal ein Feld mit toten Kühen verteidigen soll, sinkt die Motivation. Besser wird es erst wieder in der letzten Mission des Spieles, der Rheinüberquerung. Doch als man denkt, jetzt geht das Spiel erst richtig los, flimmert schon der langweilige Abspann über den Schirm. Die Spielzeit ist mit etwa 7-8 Stunden wieder einmal viel zu kurz geraten.

Wie bereits erwähnt ist das Gameplay des ersten Teils nahezu unverändert übernommen worden. Auch die nun größeren Karten ändern daran nichts. Zwar darf man gelegentlich die Missionsziele in beliebiger Reihenfolge erledigen, doch letztlich sind die Maps wieder sehr linear gestaltet, selbst in Städten versperren Straßensperren regelmäßig Alternativrouten.

In Tunesien fährt man mit einem Panzer durch die Wüste.
Die Gegner-KI kann dagegen vollends überzeugen. Clever verstecken sich die Feinde hinter Kisten und werfen sogar Granaten flugs zurück. Die eigenen Kameraden laufen allerdings schon mal hin und wieder in das eigene Feuer, was das Spiel sofort veranlasst, den letzten Speicherpunkt zu laden. Selbst wenn Mitglieder der eigenen Truppe fallen ist man nie alleine, ständig werden neue Kameraden generiert, die Seite an Seite mit dem eigenen Charakter kämpfen. Aber auch die Feinde scheinen einen nahezu unendlichen Nachschub zu haben, selbst aus kleineren Häusern strömen schon mal Dutzende von Soldaten, vieles wirkt sehr stark gescriptet.

Neben der Solo-Kampagne, die in vier verschiedenen Schwierigkeitsgraden gespielt werden kann, lässt sich Call of Duty 2 natürlich auch Online oder im eigenen Netzwerk zocken. Auch wenn die Karten schön aufgebaut sind, kann das Spiel im Mehrspielermodus einem Battlefield 2 nicht das Wasser reichen.

Grafik

86%
Die neue Grafik-Engine zaubert beeindruckende Schlachtfelder auf den Bildschirm, besonders kleinere Details wie verbesserte Charaktermodelle, hübscher texturierte Fahrzeuge oder Gegenstände und die Darstellung von Rauch fallen positiv aus. Zudem sind die Schlachtfelder oftmals nun größer und frei begehbarer, trotz zahlreicher Gegnermassen läuft das Spiel auf einem entsprechenden System dabei hervorragend und sieht todschick aus.

Sound

88%
Kein Weltkriegs-Shooter ohne eine ohrenbetäubende Soundkulisse. In den heißen Gefechten rumst und kracht es gewaltig aus den Lautsprechern, man fühlt sich an den Beginn von dem “Soldat James Ryan” erinnert. Der sehr gute Soundtrack wird dagegen nur punktuell eingesetzt, meist kurz vor Levelende.

Gameplay

83%
Das Gameplay hat sich gegenüber dem Vorgänger kaum geändert. Als Soldat kämpft man auf verschiedenen Seiten auf den Schlachtfeldern des 2. Weltkrieges, neuerdings gehört dazu auch Nordafrika. In zumeist riesigen Schlachten soll man bestimmte Gebäude einnehmen oder kleinere Dörfer verteidigen. Gelegentlich steuert man einen Panzer durch die Wüste oder klettert hinter eine fest installierte MG-Stellung.

Motivation

75%
Die Missionsziele sind äußerst abwechslungsreich, auch das Leveldesign ist dank der größeren Karten exzellent. Die Action steht zu jeder Zeit im Vordergrund, ruhigere Momente gibt es kaum. Schwach ist abermals die Präsentation der Story, die sich aus lieblosen Tagebucheinträgen und zigmal gesehenen schwarz-weiß Ausschnitten aus der damaligen Wochenschau zusammensetzt. Hat man eine Kampagne abgeschlossen erscheint die schlichte Textmeldung „Glückwunsch zum Beenden der Russen-Kampagne“, langweiliger geht es nicht.

Pro / Contra

pro

Eindrucksvolle Technik, abwechslungsreiche Einsätze, gnadenlose Kriegs-Action.

contra

Spielzeit wieder sehr kurz, keine Lebenspunkte und kein Quicksave, keine echte Story, langweilige Normandie-Einsätze.

Systemvoraussetzungen

CPU mit 1,4 GHz, 512 MB Ram, Grafikkarte mit 64 MB und voller DirectX 9.0c-Kompatibilität, 4 GB HD-Space

Fazit

83%
Ich hatte mir von Call of Duty 2 ehrlich gesagt mehr erhofft, die Neuerungen sind an einer Hand abzuzählen, die Spielzeit ist erneut unerhört kurz und die Präsentation der Story absolut lieblos. Was ich allerdings besonders schade finde ist die langweilige zweite Hälfte der Solo-Kampagne, nach den wirklich furiosen Einsätzen in Russland und Tunesien muss ich mich erneut durch die langweiligen Landschaften der Normandie kämpfen, die mir schon aus Brother in Arms und dem ersten Call of Duty zum Hals heraushängen. Würde das Spiel die Klasse der ersten vier Spielstunden über die ganze Kampagne hin aufrecht erhalten können, stände als Wertung unter dem Test sicherlich eine 90 %. Doch bei aller Kritik, auch Call of Duty 2 bietet letztlich gnadenlose Kriegs-Action, die man als Fan des Vorgängers einfach gespielt haben muss. Mit dermaßen fulminant inszenierten Schlachten, verpackt in eine erstklassige Grafik, kann sonst kein aktueller Weltkriegs-Shooter aufwarten.

Kommentare zu Call of Duty 2

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