Willkommen in Rapture - vertrauter Schauplatz, andere Plattform!
Lange hat es gedauert, bis eines der besten Spiele des letzten Jahres auch endlich auf der PS3 erscheint. Doch was hat die PS3 Version von Bioshock zu bieten? Ist die lange Wartezeit mit neuen Features und Spielmodi zu begründen? Wir haben den Titel gespielt und verraten euch, wieviel Spaß die Unterwasseraction macht!
Bioshock beginnt mit einem Flugzeugabsturz. Mitten über dem Atlantik stürzt der Flieger ins Meer, der einzige Überlebende ist der Held des Abenteuers, ein Mann namens Jack. Nur unweit der Absturzstelle seht ihr einen Turm aus dem Wasser ragen, der Eingang zur riesigen Unterwasserstadt Rapture. Erbaut und ausgedacht vom ebenso wahnsinnigen wie genialen Architekt Andrew Ryan. Schon die ersten Schritte nach der Tauchfahrt ins Ungewisse sind einzigartig und bauen eine unbeschreibliche Atmosphäre auf. Das liegt auch daran, weil das komplette Design der Unterwasserstadt im interessanten Art-Deco-Stil gehalten ist.
In Bioshock gibt es überall etwas zu entdecken.
Nach und nach erkundet ihr die einzelnen Viertel von Rapture und erfahrt über Audiotagebücher auch einige Hintergrundinformationen. Im Grunde wird ein Großteil der Story über die hervorragend vertonten Tagebücher erzählt, echte Zwischensequenzen gibt es dagegen nicht. Da die Tagebücher meist etwas versteckt in den großen Arealen liegen, müsst ihr schon gehörig aufpassen, nicht zu viele Storydetails zu verpassen. Wer einfach blind durch das Spiel rennt, wird viele geheime Gebiete und Locations komplett verpassen. Insgesamt bleibt die Story selbst für deren Möglichkeiten aber eher blass. Atmosphäre und Spannung baut Bioshock vielmehr dank des herausragenden Stiles der Schauplätze auf.
Die Kämpfe gegen die Big Daddys sind ein Highlight des Spieles.
Natürlich kommt es über kurz oder lang zu echten Kämpfen in der Ego Shooter-Ansicht. Mit Rohrzange, Pistole oder etwa einem Schrotgewehr bewaffnet, macht ihr mit den meisten Feinden relativ kurzen Prozess. Deutlich knackiger sind die sogenannten Big Daddys, die kleine Mädchen im Schlepptau führen und gerade an diese müsst ihr herankommen. Denn nur die Mädchen verfügen über den Rohstoff ADAM. Den benötigt ihr, um euren Helden rollenspiel-like aufzuwerten. Mit dem gewonnen ADAM dürft ihr an einem der zahlreichen Verkaufsautomaten in Rapture etwa eure Lebensenergie dauerhaft verbessern oder neue Fertigkeiten in Form von Plasmiden kaufen.
Geskriptete Ereignisse sorgen immer wieder für Schockmomente.
Diese Plasmide sind neben den herkömmlichen Schießeisen oft eure zweite Waffe. Fast schon wie ein Zauberer schießt ihr Feuerkugel oder Blitze aus den Händen des Helden. Wer etwas geschickt zu Werke geht, kann gleich mehrere Feinde, die sich in einer Wasserlache aufhalten, mit einem gezielten Blitzschlag grillen. Später dürft ihr euch für kurze Zeit unsichtbar machen oder Feinde umpoolen, so dass sie auf eurer Seite kämpfen. Außerdem gibt es eine Reihe von passiven Fertigkeiten, die euch genauer zielen lassen oder eure Fertigkeiten beim Hacken von Sicherheitsrobotern verbessern.
Die Umgebung strotzt nur so vor interessanten Anspielungen.
Statt dem direkten Kampf könnt ihr oft auch ohne eigenen Waffeneinsatz erfolgreich sein. Überall in Rapture stehen Wachroboter herum, die ihr in Form eines auf Dauer leider sehr langweiligen Minispieles hacken dürft. Das Hacken geht bei der PS3 Version nun übrigens deutlich besser von der Hand, was dem exakteren Steuerkreuz des Dual Shock Controllers zu verdanken ist. Gelingt es euch, feuert der Roboter auf alle Feinde in der Nähe. Auch in Kameras oder Verkaufsautomaten dürft ihr euch hineinhacken. Da der Schwierigkeitsgrad von Bioshock selbst auf mittlerer Stufe aber relativ human ausgefallen ist, könnt ihr euch genauso gut durch alle Gebiete in klassischer Shooter-Manier durchschießen. Allerdings erfordert das Schießen etwas Übung, da die Waffen recht stark verziehen.
Immer wieder werden euch Schockmomente präsentiert, die zusammen mit dem stimmigen Look eine Gänsehautatmosphäre aufbauen. Auch die erstklassige Grafik tut ihr Übriges. Der PS3 Version wurden gegenüber der Xbox 360 Fassung detailliertere Texturen spendiert, die das Spiel noch einen Tick besser aussehen lassen. Leider kommt es aber noch immer zu ärgerlichen Slowdowns, die das Spielgeschehen stellenweise deutlich negativ beeinflussen. Noch besser als die Optik ist der Sound. Selten hat ein Videospiel in der deutschen Fassung derart harmonisch geklungen. Deutsche Sprecher, der Soundtrack und die lauten Effekten machen Bioshock zu einem akustischen Meisterwerk.
An den Automaten ersteht ihr neue Plasmide oder Munition.
Spielerisch läuft das Abenteuer im Laufe der Zeit dagegen schon etwas zu stark in Richtung typischer Shooter-Kost. Zu oft müsst ihr in den weitläufigen Arealen Gegenstände finden oder von A nach B laufen. Und auch von der Tatsache, dass ihr euch auf dem Boden des Meeresspiegels befindet, macht das Spiel letztlich zu wenig Gebrauch. Ein weiterer Kritikpunkt sind die ständig gleichen Feindtypen. Immerhin verhalten sich die Gegner sehr clever. Trotz der kleineren Mängel unterhält Bioshock euch auf höchsten Niveau gut 16-18 Stunden, einen Mehrspielermodus hat das Spiel nicht zu bieten.
Eine Besonderheit der PS3 Fassung ist ein zusätzlicher Schwierigkeitsgrad. Im Survivor Modus müsst ihr euch extrem vorsichtig und bedacht durch die Unterwasserwelt schlagen. Hier ergattert ihr nur einen Bruchteil des Geldes, das sich in den anderen Schwierigkeitsgraden finden lässt und auch Munition und Gesundheitspacks sind absolute Mangelware. Jede Kugel die das Ziel verfehlt erschwert euch das Leben unterhalb des Meeresspiegels - ein Grund mehr, auf ausgeklügelte Taktiken zu setzen, bei denen sich Munition sparen lässt.
93%
Die Optik hat einen ganz eigen Stil und basiert auf der Unreal-Engine. Vor allem die vielen Effekte und das Wasser sehen unglaublich gut aus, aber auch die abwechslungsreichen Texturen und Locations vermitteln absolutes NextGen-Flair. Gegenüber der 360 Fassung haben die Texturen an Qualität zugelegt, Slowdowns gibt es jedoch leider noch immer.
97%
Seit Mafia hat kein Videospiel mehr eine derart gelungene deutsche Synchronisierung gehabt. Alle Sprecher vermitteln glaubhaft ihre Rollen und geben dem Spiel die passende Atmosphäre. Diese wird durch den erstklassigen Score und die lauten Soundeffekte weiter verstärkt.
86%
Die paar Rollenspielelemente täuschen letztlich nicht darüber hinweg, dass Bioshock primär ein Shooter ist. Auch der Einsatz der Plasmide ist nur selten wirklich nötig, zumal deren Handling auch nicht optimal gelöst ist. Warum kann man etwa nicht gleichzeitig mit einer Waffe schießen und eine Feuerkugel aussenden?
90%
Die Story bleibt mit ihren vielen offenen Fragen ein wenig enttäuschend, das gilt auch für die Erzählweise in Form der Audiotagebücher. Dennoch baut Bioshock allein aufgrund des Szenarios und dem unverbrauchten Schauplatz eine unglaublich dichte Atmosphäre auf, der man sich nicht entziehen kann.
pro
Unverbrauchtes SettingTolle AtmosphäreTechnikbrettSpannende KämpfeViele PlasmideRollenspielelemente
contra
Story beantwortet nicht alle FragenHolprige Erzählweise mit TagebüchernWiederholende AufgabenNicht ganz perfekte SteuerungWenige GegnertypenLangweiliges HackenDas Unterwassersetting wird nicht komplett ausgenutzt
90%
Nachdem PS3 Besitzer nun derart lange auf die Umsetzung von Bioshock für ihre Konsole warten mussten, wurden die zunehmend gestiegenen Erwartungen nicht ganz erfüllt. So wird mit dem Survivor Modus und der leicht aufpolierten Optik zu wenig neues geboten. Dennoch hat mich seit Half-Life 2 kein Shooter mehr derart in seinen Bann gezogen. Grafik, Sound und das Setting sind einfach top und erzeugen gemeinsam die wohl beste Atmosphäre, die es in einem Videospiel je gab. Wer bislang noch nicht auf anderen Plattformen in die Tiefen des Meeres abgetaucht ist, sollte sich Bioshock auf keinen Fall entgehen lassen!
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